Rotäugiger Quälgeist
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Taufliege, Fruchtfliege, Drosophila melanogaster

 

Im Herbst, wenn unsere Apfelbäume ihre Früchte abwerfen, gibt es reichlich Apfelmost. Der Geruch aus den Behältern lockt unweigerlich große Mengen Fruchtfliegen an. Es sind hübsche Tiere mit ihren großen roten Augen. Doch wenn sie in Mengen auftreten, werden sie ausgesprochen lästig.

Taufliege, Fruchtfliege, Drosophila melanogaster

 

Drosophila melanogaster, wie die kleine Fruchtfliege zoologisch korrekt angeredet wird, ist eines der Lieblingstiere der Genetiker. Schon früh ist sie durch ihre Riesenchromosomen aufgefallen, die leicht aus der Larve herauspräpariert werden können. Mit den fortschreitenden Möglichkeiten der Genmanipulation waren aber unabhängig von den Riesenchromosomen ganz andere Experimente möglich. Vor einigen Jahren machten beispielsweise Experimente des Genetikers Walter Gehring Schlagzeilen. Er hatte den Fruchtfliegen durch Aktivierung des Gens Pax6 zusätzliche Augen an Fühlern und Gliedmaßen wachsen lassen.

Larve einer Taufliege (Fruchtfliege, Drosophila melanogaster)

 

Wie alle Fliegen durchläuft auch Drosophila melanogaster eine Metamorphose. Die Fliegenweibchen legen ihre Eier vorzugsweise auf verrottendem Obst ab. Aus dem Ei schlüpft eine eher eklig wirkende beinlose Made, die sich von Hefen und Bakterien ernährt, die auf der Obstunterlage prächtig gedeihen. Hat sie ihr Sollgewicht erreicht, verpuppt sie sich und etliche Tage später schlüpft eine neue Fruchtfliege aus. Manche Auqarianer und Terrarienfreunde züchten die Fligen bisweilen, um mit den Larven oder den ausgewachsenen Fliegen ihre Tiere zu füttern.

Innereien der Larve einer Taufliege (Fruchtfliege, Drosophila melanogaster) mit Riesenzellkernen in den Speicheldrüsen

 

Diese Maden waren es, die den Genetikern schon vor vielen Jahren aufgefallen sind. Ihre Speicheldrüsen enthalten polytäne Riesenchromosomen - sie bestehen aus rund 1000 Chromosomensätzen. Links im Bild sieht man den vorderen Bereich einer Made, aufgenommen im differenziellen Interferenzkontrast. Die Chromosomen kann man hierbei nicht erkennen, aber man sieht die auffallend großen Zellkerne in den Zellen der Speicheldrüsen. Links oben im Bild sind Hefezellen im Darm der Made zu sehen. Und links unten sieht man in einem anderen Organ die normale Zellgröße.

Die Chromosomen selbst kann man hier nicht erkennen. Man muss den Kopf einer Made abreißen, die Speicheldrüsen und vor allem die großen Kerne zerquetschen, damit die Riesenchromosomen vereinzelt werden. Nach entsprechender Färbung, beispielsweise mit Orcein, werden die gebänderten Riesenchromosomen sichtbar. Im Detail gestaltet sich die Präparation etwas komplizierter als dieser kurze Anriss hier, doch dafür gibt es im Web reichlich Anleitungen.

Drosophila melanogaster

 

 


2008 - Das Copyright der Bilder liegt bei Dr. Bernhard Wiedemann. Jegliche Verwertung dieser Bilder ist honorarpflichtig und bedarf der ausdrücklichen Genehmigung.