26.02.2008 Nachrichten    Home
Nachrichten aus den Life Sciences
Ein altes Dogma stellt sich als falsch heraus
Auch Nervenzellen wachsen nach
Lange Zeit galt es als Dogma: Nervenzellen im Gehirn können beim Erwachsenen nicht nachwachsen. Das hat sich inzwischen als Trugschluss erwiesen, denn das ausgewachsene Gehirn ist durchaus in der Lage, neue Nervenzellen zu bilden.

Die meisten Zellen im menschlichen Gehirn sind nicht Nervenzellen, sondern die so genannten Gliazellen. Sie sind für das Gehrin das, was für die Haut das Bindegewebe ist: Sie dienen als dreidimensionales Gerüst für die Nervenzellen, stabilisieren die Form des Gehirns, dienen als Isolatoren der Nervenfasern und und helfen bei deren Versorgung mit Nährstoffen.

Aber auch bei der Wundreaktion, die nach Verletzungen des Gehirns abläuft, spielen die Glia-Zellen eine Rolle. Früher war man der Meinung, dass sie lediglich am Abtransport der Trümmer und ander Narbenbildung beteiligt sind, doch inzwischen ist bekannt, dass sie mehr leisten: Sie können sich zu Stammzellen entwickeln, aus denen sich wiederum aktive Nervenzellen bilden können. Eine gerade veröffentlichte Arbeit hat dies anhand genetischer Identifikationsmethoden nachgewiesen.

Die Wissenschaftler haben mit genanalytischen Methoden untersucht, was aus den so genannten 'reaktiven Gliazellen' wird, die sich bei einer Verletzung im Gehirn von Mäusen und Menschen entwickeln. Dass es sie gibt, war schon länger bekannt, doch zu welchen Zellen sie sich entwickeln, war bislang unbekannt. Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Magdalena Götz am Institut für Stammzellforschung des Helmholtz Zentrums München bzw. der Ludwig-Maximilians-Universität München konnte nun zeigen, dass diese reaktiven Gliazellen im Gehirn der Maus nach Verletzung ihre Zellteilung wieder aufnehmen. Sie werden dann zu Stammzellen, aus denen sich unter günstigen Bedingungen in Zellkultur auch Nervenzellen bilden können.

Kleinhirn Nervenzellen: Das Dogma, dass sie im ausgewachsenen Gehirn nicht mehr nachwachsen könnten, ist überholt.

Damit gelang der bahnbrechende Nachweis, dass in einer Verletzungsregion des Gehirns adulte neurale Stammzellen vorhanden sind, die dann als Quelle für neue Nervenzellen dienen könnten. Götz hatte schon in einer anderen Untersuchung nachgewiesen, dass Gliazellen des Gehirns als Stammzellen fungieren und Nervenzellen aus Gliazellen hervorgehen können. Sie zeigte auch, welche Faktoren beim Übergang von glialen zu neuronalen Zellen eine Rolle spielen. "Dank dieser Ergebnisse rückt nun das Fernziel ein wenig näher, die Prozesse therapeutisch nutzen zu können", betont Götz.

Originalveröffentlichung: Buffo A. et al.: "Origin and progeny of reactive gliosis: A source of multipotent cells in the injured brain"; PNAS published February 25, 2008, 10.1073/pnas.0709002105 (Abstract).

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