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Unscheinbare Schönheiten
Bryozoen in heimischen Gewässern
Die Bryozoen, auch Moostierchen genannt, leben überwiegend im Meer. Einige Arten gibt es aber auch in unseren Binnengewässern. Mit bloßem Auge nimmt man sie kaum wahr, doch unter einer starken Lupe entpuppen sie sich als filigrane Wesen, die es durchaus mit den exotischen Schönheiten in den Korallenriffen aufnehmen können.

Die Moostierchen sind eine recht große Familie, rund 5600 Arten gibt es. Beschrieben und gezeichnet wurden sie schon im 18. Jahrhundert, beispielsweise von Trembley, Rösel von Rosenhof und Ledermüller. Damals wurden sie wegen ihrer Form zusammen mit den Süßwasserhydren als Polypen klassifiziert und als Verwandte der Korallen betrachtet. Später ordnete man sie dem Stamm Tentaculata zu. Inzwischen ist durch die Möglichkeiten der modernen DNS-Analyse die Systematik wieder in Bewegung geraten, so dass die Bryozoen derzeit noch nicht definitiv eingeordnet werden können.

Mit Blick auf den Organbau sind es jedenfalls Coelomaten, sie besitzen also eine sekundäre Leibeshöhle (ein Coelom) mit einem regelrechten Darm und stehen damit in der Systematik deutlich über den Coelenteraten (Hohltiere mit einer primären Körperhöhle), zu denen unter anderen eben auch die Korallen und die Süßwasserpolypen gehören.

Es gibt sie seit Millionen Jahren

Die meisten Bryozoen leben im Meer, und das schon seit einigen Millionen Jahren. Weil ihre Gehäuse im Sediment lange erhalten bleiben, spielen sie auch in der Paläontologie eine große Rolle als Leitfossilien. Sie tauchen in vielen paläontologischen Werken auf.

Im Süßwasser finden sich nur wenige Arten, die zur Ordnung der Phylactolaemata gehören. In Mitteleuropa handelt es sich dabei vor allem um die Gattungen Fredericella, Plumatella und Cristella, daneben gelegentlich auch Lophopus und Pectinatella.

Zu den Besonderheiten der Süßwasser-Moostierchen zählen die Statoblasten bzw. Flottoblasten. Das sind meist ovale bis runde, abgeflachte Gebilde mit einem deutlich sichtbaren Randbereich, die als Dauerstadien Eis und Trockenheit überstehen können. Bei günstigen Umweltbedingungen keimen dann wieder neue Moostierchen daraus hervor. Auf diese Weise überstehen die Süßwasser-Bryozoen den Winter. Im marinen Umfeld sind solche Überlebensstrategien nicht notwendig, weshalb die marinen Bryozoen auch keine Statoblasten oder Flottoblasten bilden. Diese Gebilde haben übrigens nichts mit Eiern zu tun. Die Moostierchen vermehren sich überwiegend durch Sprossung und die Stato- bzw. Flottoblasten sind verkapselte Sonderformen der Sprossen.

Die Süßwassermoostierchen entwickeln im Gegensatz zu ihren vielen marinen Verwandten Statoblasten, mit denen sie den Winter überstehen. An diesem Statoblasten haben sich Algenkeimlinge festgesetzt.

Hierzulande findet man Moostierchen in Seen, Teichen, Tümpeln und langsam fließenden Gewässern. Sie sitzen oft auf Holz, also beispielsweise auf Wurzeln, die im Wasser frei liegenoder auf Holzpfählen eines Stegs. Mit Man findet sie je nach Art aber auch an den Blättern und Stängeln von Wasserpflanzen, insbesondere auf Schilfrohr. Mit bloßem Auge sind sie kaum zu erkennen, man muss schon mit der Lupe hinsehen, um die verzweigten Gehäusesysteme zu erkennen. Die Tierchen selbst wird man gar nicht sehen, wenn man das Holzstück oder den Schilfstängel gerade aus dem Wasser geholt hat - sie haben sich in ihr Gehäuse zurückgezogen.

Zwar leben die Moostierchen durchweg gesellig in Kolonien, doch jedes Tierchen hat sein eigenes Zimmerchen, in das es sich bei Gefahr blitzartig zurückziehen kann. An der Basis sind die Zimmerchen miteinander verbunden, so dass die Tierchen über biochemische Transmitter miteinander kommunizieren können.

Moostierchen besitzen keine Nesselzellen in ihren Tentakeln, sie fangen ihre Nahrung rein mechanisch. Auf den Tentakeln sitzen winzige Zilien (Flimmerhärchen), welche die Nahrung (kleine Einzeller oder andere organische Partikel) zur Mundöffnung strudeln.

Nachdem das Mikroskop erfunden worden war, wurden auch bald Bryozoen beschrieben. Hier ein Bild, das Johann Rösel von Rosenhof 1754 erstellt und in seiner "Historia Polyporum" veröffentlicht hat (kolorierter Kupferstich). Er hat die Tierchen anschaulich als "Federbusch-Polypen" bezeichnet und in der Zeichnung auch angedeutet, wie sie Wasserströmungen erzeugen, mit denen sie sich Nahrungspartikel zustrudeln..

Die Bryozoen sind bilateralsymmetriseh. Wie schon erwähnt, sind es Coelomaten, ihre verhältnismäßig geräumige Leibeshöhle ist in zwei sehr ungleich große Abteilungen gegliedert.An der Basis der Tentakeln liegt die vordere und zugleich kleinere dieser beiden Körperhöhlen, die Lophophorhöhle oder Ringkanal genannt wird. Dahinter liegt die viel geräumigere eigentliche Leibeshöhle.

Weitere Bilder:
Das Moostierchen Cristella mucedo
Das Moostierchen Fredericella sultana
Schlüpfende Moostierchen
Links:
Wikipedia-Eintrag zu Moostierchen
Bryozoen bei Patrick Steinmann

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