Stichworte: Arthropoden, Eukaryoten, Fauna, aus Bewie's Mikrowelt

Hornissen

Hornissen genießen keinen guten Ruf. Sie sind groß und können stechen und manchmal liest man in den Zeitungen regelrechte Horrorgeschichten über ganze Familen, die von Hornissen überfallen wurden. Natürlich kommt es mal vor, dass ein unbedarfter Zeitgenossen an ein Hornissennest gerät und die Tiere so in Aufregung versetzt, dass sie glauben, sich wehren zu müssen. Aber das sind Ausnahmen, auch wenn sie von den Medien groß aufgeplustert werden. Die Hornissen sind nämlich, trotz ihrer eindrucksvollen Größe, ausgesprochen friedliche Tieren. Nähert man sich ihrem Nest mit normaler Spaziergeschwindigkeit, tauchen in der Regel erst ein, zwei Arbeiterinnen auf, schwirren vor dem Menschen auf und ab und signalisieren ihm: Hier beginnt unser Bereich, respektiere bitte unsere Privatsphäre! Wer die Tiere dann mutwillig oder in Panik wegschlägt, muss freilich mit Gegenmaßnahmen rechnen. In größerer Entfernung vom Nest stören sich die Tiere dagegen überhaupt nicht an den Menschen, nehmen Reißaus, wenn ihnen einer zu nahe kommt. Und im Gegensatz zu Wespen belästigen sie keinen Menschen wegen seines Pflaumenkuchens oder sonstiger Picknick-Utensilien und denken gar nicht daran, sich selbst an den Mittagstisch auf der Terrasse einzuladen und die Menschen zu nerven. Sie fangen Insekten für ihren Nachwuchs – übrigens auch die lästigen Wespen – und schlürfen selbst höchstens Säfte aus Fallobst. Kurzum: Hornissen sind harmloser als Wespen und ihr Stich, wenn man sich denn aus Leichtsinn wirklich mal einen einfängt, ist weit harmloser als ein Bienenstich.

Diese Hornisskönigin hatte einen Nistkasten in unserem Garten bezogen. Dass ich die Vorderfront des Kastens entfernt und sie fotografiert habe, hat sie ohne jede Aggressivität über sich ergehen lassen. Man sieht, dass sie schon einige Brutkammern und den oberen Teil der Nesthülle gebaut hat.
Hier bin ich ihr dann doch etwas zu nahe gekommen – aber auch das war für sie kein Grund, aggressiv zu werden. Sie hat sich lediglich ein bisschen hinter ihrem ersten Wabenansatz verschanzt. Oben sieht man bereits ein Ei in der Brutkammer.
Einige Tage später ist der Bau schon umfangreicher geworden. Die Wabe ist größer und die Außenwand auch schon weiter gediehen. Aus den Eiern sind inzwischen Larven geworden. Die Königin war also ganz schön fleißig: Sie hat Wabe und Haus gebaut, Eier gelegt, Futter für den Nachwuchs herangeschafft und diesen schon ganz schön fettgefüttert.
Noch ein paar Tage später ist die Nestkugel bis auf das Einstiegsloch unten geschlossen; die Königin schaut nach, wer hier gerade stört, wird aber keineswegs aggressiv. Die Waben sind zum Teil schon zugesponnen, die Larven hinter dem Gespinst haben sich verpuppt. Bald werden die ersten Arbeiterinnen schlüpfen und die Königin entlasten.
Im Lauf des Sommers wird das Nest immer weitergebaut, alte Wände werden eingerissen und Raum für weitere Waben geschaffen. Nachdem das Volk im Spätherbst abgestorben ist und die neuen Königinnen sowie die Drohnen ausgewandert sind, sieht man die mehrstöckigen Bauten, die da im Nistkasten entstanden sind.

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