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Bergheide aus Sturms Flora von Deutschland, Band 9: Myrten – Tafel 48
Bergheide, Erica carnea
Tafel 48, Fig. 1:
a) Zweig, verkl.;
b) Blüte in nat. Gr.;
c) Blüte, vergr.;
d) Kelch, vergr.;
e) auseinandergeschnittene Blüte, vergr.;
f) Staubbeutel, vergr.
15 bis 35 cm hoch. Blätter kahl. Blütenstände traubig, meist einseitswendig, schon im Herbste mit ziemlich grossen, grünen Knospen. Blumen fleischrot , selten weiss, die hervorragenden Staubbeutel dunkel. 4 bis 5, in hohen Lagen 7 (weiter südwärts oft schon im November und regelmässig im Februar). (Synonyme: E. herbacea).
In Nadelwäldern und auf Oedland; in den Alpen bis 2300 m häufig, in Niederbayern bei Passau, nicht selten im Fichtelgebirge und Frankenwald bis an den Rand des Vogtlandes (Brambacher Wald), neuerdings auch am Winterberg in der sächsischen Schweiz. Auch kultiviert; bei Potsdam verwildert beobachtet, früher auch aus Westfalen und der Pfalz gemeldet.
Gemeine Heide, Erica vulgaris
Tafel 48, Fig. 2:
a) Zweig in nat. Gr.;
b, c) Blüten, vergr.;
d) Staubgefäss in nat. Gr. und vergr.;
e) Fruchtknoten in nat. Gr. und vergr.;
f) Fruchtkelch in nat. Gr.;
g) Frucht in nat. Gr. und vergr.;
h) Samen in nat. Gr. und vergr.
Bis 1 m hoch. Blätter kahl, seltener behaart. Blütenstände traubenförmig, einseitswendig. Kelch kronenähnlich, grösser als die Krone, hellrot, nicht selten auch weiss. Krone tief vierspaltig, Staubbeutel mit abwärts gerichteten Fortsätzen, mit den Spitzen aus der Krone, aber nicht aus dem Kelche ragend. Früchte durch Ablösung der Fachwände mit Teilen der Scheidewände aufspringend (scheidewandspaltig). 7-10. (Synonyme: Calluna vulgaris).
In Wäldern, auf Mooren, sandigen Triften und steinigem Oedland häufig, auf Kalkboden seltener. Auf nicht zu durchlässigem Sandboden und abgestorbenen Moosmooren namentlich in Nordwestdeutschland grosse Bestände bildend, in Oldenburg, Hannover, Westfalen und Schleswig-Holstein insgesamt fast dreiviertel Millionen ha. Bei extensivem Landbau zur Streugewinnung und als Weide für Schafe und Pferde nutzbar. Die mit der Bodenschwarte abgeschälten Bestände liefern „Plaggen“ oder „Soden“ zur Feuerung und zur Düngermischung. Die Heidefelder sind ausgezeichnete Bienenweiden, der Heidehonig ist dunkel. Der Honigsaft wird in den Blumen durch acht mit den Staubgefässen abwechselnde, den Grund des Fruchtknotens umgebende schwärzliche Drüsen abgesondert.
Bei aufmerksamem Suchen findet man auf den Heidefeldern Sämlinge von allerlei Bäumen und Sträuchern, die aber niemals hoch kommen, weil sie vom Vieh mit Vorliebe abgefressen werden, ausgenommen der Wacholder. Obwohl die Heidefelder eine höhere Bodenrente abwerfen, als die Nadelwälder, werden sie neuerdings doch vielfach aufgeforstet. Auf alljährlich gemähten Heidefeldern gewinnt das Pfeifengras die Oberhand.
Hybride Eriken giebt es in den Gewächshäusern mehr als artenreine. Von unseren Arten kennt man in England E. cinerea + tetralix, auf welche zu achten ist.
Aus: J. Sturm’s Flora von Deutschland, Nachdruck nach 1900 mit Chromolithographien (Ernst H. L. Krause: Schriften des Deutschen Lehrer-Vereins für Naturkunde).

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