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Tollkirsche aus Sturms Flora von Deutschland, Band 10: Röhrenblütler – Tafel 14


Tollkirsche, Atropa belladonna
Tafel 14:
a) Zweig, verkl.;
b) Blüte in nat. Gr.;
c) Kelch in nat. Gr.;
d) geöffnete Krone in nat. Gr.;
e) Staubgefäss in nat. Gr.;
f) Fruchtknoten in nat. Gr.;
g) Frucht in nat. Gr.;
h) dieselbe durchschnitten;
i) Same in nat. Gr. und vergr.
0,5 bis 8 m hoch. Drüsenhaarig. Blätter eiförmig bis länglich, spitz, in einen deutlichen Stiel verschmälert. Blüten meist nickend. Kelchabschnitte ziemlich gleichgross, zur Fruchtzeit abstehend. Blumenkronen braun, selten gelb, mit weiter, glockenähnlicher Röhre, nach Grösse und Form dem Besuch von Hummeln angepasst. Die Staubgefässe sind einwärts gekrümmt. Die die Staubbeutel überragende Narbe wird zuerst reif, darnach erst die Staubbeutel. Früchte rund, glänzend schwarz, an der gelbblühenden Form gelb. 6- 8. Giftig. (Synonyme: Boberella belladonna, Wolfskirche, Teufelsbeere, Schlafbeere, Wutkirsche u.s.w., Waldnachtschatten, Säukraut).
In Wäldern und Gesträuchen ; nicht selten in Süd- und Mitteldeutschland, in den Alpen bis über 1100 m, nordwärts zerstreut bis Melle – Hannover – Helmstedt (Elm) – Kgr. Sachsen – Görlitz – Striegau, selten und z. Teil unbeständig in der Altmark, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Früher als Arzneipflanze auch im norddeutschen Flachlande öfter in Gärten gezogen und verwildert – daher wahrscheinlich ihre Standorte in Schleswig-Holstein, Mecklenburg u. s. w.
Wertvolle Heilpflanze, namentlich für die Augenheilkunde; meist wird jetzt das aus der Pflanze gewonnene Alkaloid Atropin gebraucht. Ein zehntel Gramm desselben wirkt tödlich. Am meisten ist es im Wurzelstock, weniger in den Blättern enthalten, doch darf man auch von diesen dem Menschen ohne ihm zu schaden nicht mehr als 0,2 g auf einmal und nicht mehr als 0,5 g an einem Tage geben. Die appetitlich aussehenden Früchte werden zuweilen für Kinder verderblich, während Erwachsene immerhin einige davon zu vertragen scheinen. Drosseln fressen die Tollkirschen ohne Schaden und verbreiten durch ihren Kot die Samen.
Aus: J. Sturm’s Flora von Deutschland, Nachdruck nach 1900 mit Chromolithographien (Ernst H. L. Krause: Schriften des Deutschen Lehrer-Vereins für Naturkunde).



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