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Köstliche von Charneu
Köstliche von Charneu

Heimath und Vorkommen: sie entstand zufallig zu Anfang dieses Jahrhunderts in dem belgischen Dorfe Charneu dicht an der preussischen Gränze und wurde von einem Obstfreunde Legipont angepflanzt und verbreitet. Sie erhielt bald eine grosse Anerkennung und wurde vielfach in Deutschland angepflanzt. Von der zweiten Versammlung deutscher Pomologen in Gotha im Jahre 1857 wurde sie zum allgemeinen Anbau und von der 8. Versammlung in Potsdam im Jahre 1877 zur Erziehung als Pyramide empfohlen.
Literatur und Synonyme:
l.  Légipont (Bulletin de la Société d’Horticulture de la Sarthe, 1800, II. S. 217).
2. Köstliche von Charneu (Diel, Kernobstsorten, 1825, XXIV. S. 113).
3. Waterloo (Thompson, Catalogue of fruits, cultivated in the garden of the horticultural Society of London, 1842, S. 153).
4. Fondante Charneuse (André Leroy, Dictionaire de pomologie, Nr. 510).
5. De Charneu, Désirée (Decaisne, le Jardin fruitier du Museum, 1858, I.).
6. Köstliche von Charneu (Illustrirtes Handbuch der Obstkunde Nr. 41).

Gestalt: grosse, etwa 75 mm breite, 95 mm hohe, starkbauchig-kegelförmige, häufig unregelmässige Frucht, auf der einen Seite oft mehr entwickelt als auf der ändern.
Kelch: offen, Blättchen bräunlich, wollig, ziemlich lang und spitz; Kelcheinsenkung flach, eng, mit Falten umgeben, die mitunter über den Rand treten und sich über die ganze Frucht ausbreiten.
Stiel: verhältnissmässig lang, bräunlich grün, holzig, sitzt oben auf, auch schwach vertieft, oft etwas fleischig und zur Seite gedrückt.
Schale: fein, grünlich gelb, später citronengelb, auf der Sonnenseite schwach streifenartig geröthet, mit zahlreichen braunen, aber von einem grünen Rande umgebenen Schalenpunkten, die hier und da in Rost übergehen.
Fleisch: gelblich weiss, sehr fein, schmelzend, sehr saftig, süss, aber zugleich weinsäuerlich, von angenehm gewürzhaftem Geschmacke.
Kernhaus: hohlachsig; Fächer geräumig, gut entwickelte, länglich ovale, lang zugespitzte braune Samen enthaltend; von schwachen Granulationen umgeben, Kelchröhre kurz kegelförmig.
Reife und Nutzung: eine vorzügliche Tafelfrucht, aber auch für die Wirthschaft brauchbar. Sie wird Mitte October lagerreif und hält sich 3-4 Wochen. Man darf sie nicht zu spät pflücken und muss sie auf dem Lager nachreifen lassen, wenn sie ihre volle Güte erlangen soll.
Eigenschaften des Baumes: er wächst sehr kräftig, ist ungemein fruchtbar, verlangt nahrhaften, feuchten Boden und etwas geschützte Lage. In rauhen Gegenden gedeiht er nicht, ebenso wenig auf Quitte veredelt, bildet aber auf Wildling schöne, fruchtbare Pyramiden.
Sommerzweige lang, grünlichbraun, stark punktirt; Blüthenaugen eiförmig, zugespitzt, dunkelbraun; Holzaugen spitz, braun, abstehend; Blätter mittelgross, länglich eirund, oft auch eiförmig mit auslaufender Spitze, glatt, schiffförmig, schwach gezähnt; Blattstiele lang, dünn hellgrün; Afterblätter lang, linienförmig.

Aus Lauche: Deutsche Pomologie, Verlag von Paul Parey, 1883.

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