Stichworte: Flora, Historie, Lauche aus Bewie's Mikrowelt

Schwesterbirne
Schwesterbirn

Heimath und Vorkommen: Major Esperen fand vor etwa 40 Jahren diese Varietät im Garten der Schwestern Knoop in Mecheln und nannte sie deshalb Poire des deux-Soeurs. Sie wird bei uns werthvoller als in Frankreich und wurde in der 7. allgemeinen Versammlung deutscher Pomologen zu Trier im Jahre 1874 unter die 50 zur allgemeinen Anpflanzung empfohlenen Sorten aufgenommen. Sie ist noch nicht so verbreitet, als sie es verdient.
Literatur und Synonyme:
1. Poire deux-Soeurs (Bivort, Album II. S. III).
2. Poire des deux-Soeurs (André Leroy, Dictionnaire de pomologie, No. 404).
3. Schwesterbirne (Illustrirtes Handbuch der Obstkunde No. 310).
4. Poire des deux-Soeurs (Decaisne, Jardin fruitier du Museum).

Gestalt: ziemlich gross, etwa 70 mm. breit, 100 mm hoch, länglich-kegelförmig, veränderlich, uneben und oft eine Seite entwickelter als die andere. Der Bauch sitzt mehr nach dem Kelche zu, um den die Frucht sich fast eirund zuspitzt; nach dem Stiele zu endigt sie nach schwachen Einbiegungen mit einer schönen kegelförmigen Spitze.
Kelch: klein, ab- oder aufrechtstehend, offen; Kelcheinsenkung flach, mit schwachen Falten umgeben.
Stiel: mittellang, oft gebogen, stark, sitzt oben auf, häufig durch einen Höcker zur Seite gedrückt.
Schale: sehr fein, etwas geschmeidig, vom Baume hellgrün, später citronengelb, mit grünen Fleckchen, sowie feinen bräunlichen Punkten, welche oft in ockerfarbigen Rost übergehen und als solcher am Kelch und Stiel die ganze Fläche bedecken.
Fleisch: gelblich weiss, fein, saftreich, schmelzend, von einem eigenthümlichen süssen und gewürzhalten Geschmacke.
Kernhaus: hohlachsig; Fächer klein, mit feinen Körnchen umgeben, gut entwickelte, oval längliche, lang zugespitzte Samen enthaltend; Kelcheinsenkung kurz kegelförmig, Staubfäden an der Basis entspringend.
Reife und Nutzung: Mitte bis Ende Oktober; ingeschützten Lagen eine Tafelfrucht ersten Ranges.
Eigenschaften des Baumes: er wächst sehr lebhaft, ist früh und sehr fruchtbar, kommt in leichtem Sandboden eben so gut fort, als in schwerem, hat sich hier nie empfindlich gezeigt, gedeiht auf Quitte und Wildling gleich gut und bildet schöne pyramidenförmige Kronen. An Horizontal-Cordons und Spindelpyramiden wurden die Früchte in der königlichen Gärtner-Lehranstalt besonders gross und vorzüglich von Geschmack, aber auch an Hochstämmen wurden sie vortrefflich.
Sommerzweige sind zahlreich, aufrecht, stark, nicht gebogen, braunroth, punktirt; Fruchtaugen stumpfeiförmig, braun; Holzaugen spitz, dunkelbraun, abstehend; Blätter eirund, oft oval, glänzend, ziemlich dick, am Rande wellig, fein gezähnt, fast ganzrandig; Blattstiele stark und lang; Nebenblätter gross.
Auf Quitte veredelte Bäume entwickeln nur schwache Triebe, müssen daher kurz geschnitten werden, um den Holztrieb zu stärken und schöne Pyramiden zu bekommen. Die seitlichen Triebe werden im Mai entspitzt und Mitte September auf 3-4 Augen zurückgeschnitten. Fehlt es dem Boden in trockenen Jahren an hinreichender Feuchtigkeit, so werden die Spitzen der Sommertriebe leicht trocken; das beste Mittel, dies zu verhüten, ist, die Scheiben um die Bäume mit altem Mistbeetdünger einige Zoll hoch zu bedecken, wodurch nicht allein das Austrocknen des Bodens, sondern auch bei schneelosen Wintern das Erfrieren der Unterlagen (Quitten) verhindert wird.

Aus Lauche: Deutsche Pomologie, Verlag von Paul Parey, 1883.

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