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Sturms Flora von Deutschland, Band 3: Echte Gräser (Gramineae) – Tafel 7

Mariengras, Hierochloa odorata Wahlnbg.
Darrgras, Hierochloa australis R. u. Sch.

Mariengras, Hierochloa odorata Wahlnbg.
Taf. 7, Fig. 1:
a) ganze Pflanze in ca. 1/3 nat. Gr.;
b) und c) Aehrchen, nat. Gr. und vergr.;
d) Zwitterblüte,
e) männliche Blüte.
Wurzelstock kriechend. Halm aufrecht, 30 bis 50 cm hoch. Blätter mit langen Scheiden und kurzen Spreiten; Aehrchen glockenförmig. Deckspelzen kurz rauhhaarig, diejenige der oberen männlichen Blüte mit kurzer Granne. 5 und 6.
Das Mariengras gehört zur „arktischen Felsenflur“, kommt namentlich im nördlichen Deutschland und zwar auf feuchten Wiesen und an Ufern, in Süddeutschland nur an der Isar (Tölz, München, Freising, Deggendorfer Moos) und (1890) auch im Oerlinger Thal bei Ulm vor. Seine Blüten sind andromonöcisch, weil ausser den Zwitterblüten auch männliche Blüten im selben Aehrchen vorkommen; die ersteren sind protogynisch, denn die Antheren entlassen den Pollen erst, nachdem die Narben schon einige Zeit reif sind; es findet also meist Fremdbestäubung statt. Auf gutem Grunde bildet das Mariengras nicht selten Hexenringe, indem Sprosse des ursprünglichen Rasens nach allen Seiten (und zwar jährlich um ca. 35 bis 45 cm) vordringen und gleichzeitig hinterher absterben. Es ist als Futtergras fast wertlos, denn die Weidetiere verschmähen es infolge seines hohen Gehaltes an Cumarin ebenso wie das Ruchgras. In manchen Gegenden legt man trockene Büschel desselben, ähnlich wie Waldmeister, in Weisszeug- und Kleiderschränke. (Synonyme: Holcus borealis R. u. Sch.; H. odoratus L.; H. repens Horst.)
Darrgras, Hierochloa australis R. u. Sch.
Taf. 7, Fig. 2:
a) Rispe in nat. Gr.;
b) blühendes Aehrchen.
Wurzelstock kürzer, Halme meist weniger hoch als bei voriger Art. Die Rispe ist gedrungener, die Aehrchenstiele fein behaart. Aehrchen grünlich-braun, weisslich glänzend. Die eine männliche Blüte hat meist eine knieförmig gebogene Granne, ad. 3-5.
Das Darrgras wächst in schattigen Wäldern und kommt nur im Osten und Südosten Deutschlands vor. Es duftet ebenfalls. (Synonyme: Holcus australis Sehr.; H. odoratus Host.)
Aus: J. Sturm’s Flora von Deutschland, Nachdruck nach 1900 mit Chromolithographien (Ernst H. L. Krause: Schriften des Deutschen Lehrer-Vereins für Naturkunde).

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