Stichworte: Flora, Historie, Lauche aus Bewie's Mikrowelt

Esperens-Herrenbirne
Esperen’s-Herrenbirn

Heimath und Vorkommen: über den Ursprung dieser Birne herrscht einiges Dunkel; sie wurde wahrscheinlich zu Ende der zwanziger Jahre von Fiévée zu Maubeuge in Frankreich gezogen; van Mons verbreitete sie und benannte sie nach dem Major Esperen zu Mecheln, der sich grosse Verdienste um die Pomologie erworben hat. Oberdieck erhielt sie von van Mons ohne Namen und Dr. Liegel verbreitete sie als Oberdieck’s Butterbirn. In der dritten Versammlung deutscher Pomologen zu Berlin im Jahre 1860 wurde diese kostliche Frucht zur allgemeinen Anpflanzung und in der achten Versammlung zu Potsdam zur Erziehung als Pyramide und Horizontal-Cordon empfohlen.
Literatur und Synonyme:
1. Belle Lucrative (Lindley, A Guide to the orchard and kitchen garden, 1831, S. 364).
2. Gresillier (Prevost, Pomologie de la Seine inferieure, 1839, S. 169).
3 Bergamotte Fiévée (Willermoz, Observations sur le genre poirier, 1848, S. 15).
4. Seigneur (Bivort, Album de pomologie, 1849, II. S. 1).
5. Excellentissima (Congrès pomologique, Catalogue des variétés de fruits admises, Session de 1857, S. 3).
6. Gresillier, (Decaisne, Jardin fruitier du Museum, III).
7. Bergamotte Lucrative (André Leroy, Dictionnaire de pomologie, No. 122).
8. Esperen’s Herrenbirne (Illustrirtes Handbuch der Obstkunde, No. 193.
Gestalt: mittelgrosse, etwa 80 mm breite, 80 mm hohe, theils abgestumpft kreiselformige, theils rundlich eiförmige Frucht. Der Bauch sitzt mehr nach dem Kelche zu, um den die Frucht sich flachrund wolbt; nach dem Stiele meist mit kleiner Einbiegung und abgestumpfter Spitze.
Kelch: klein, hart, offen; Kelcheinsenkung flach, ziemlich breit, mit einigen Beulen umgeben.
Stiel: kurz, dick, oft fleischig, die Frucht fortsetzend, selten durch eine flache Fleischwulst zur Seite gedrückt.
Schale: fein, vom Baume hellgrün, in der Lagerreife gelblich grün, ohne alle Röthe; feine, rostbraune Punkte häufig; um Kelch und Stiel oft rostfarbig gefleckt.
Fleisch: weiss, ins grünliche schimmernd, sehr fein, schmelzend, saftig, von ausgezeichnetem, gewürzhaft muskirtem Geschmack. Um das Kernhaus finden sich schwach angedeutete Granulationen.
Kernhaus: die Achse ist hohl; die verhältnissmässig grossen Kammern enthalten gut ausgebildete, rundlich ovale, lang zugespitzte, braune Samen. Geruch angenehm.
Reifzeit und Nutzung: sie gehört zu den allervorzüglichsten Tafelfrüchten und wer nur einen Birnbaum anpflanzen kann, sollte diesen wählen. Sie reift Mitte September und hält 14 Tage; pflückt man die Frucht nach und nach, so kann man die Reifzeit um 2 Wochen verlängern.
Eigenschaften des Baumes: er wächst kräftig, bildet schön pyramidenförmige Kronen, ist früh und reich tragbar, gedeiht auf Wildling und Quitte gleich gut und kommt in jedem Boden, wenn er nicht zu trocken ist, gut fort. Ich kann diese Sorte zur Anpflanzung als Hochstamm in Hausgärten und als Pyramide, Palmette oder Horizontal-Cordon nicht genug empfehlen.
Die Sommertriebe sind stark, zahlreich, olivengrün, fein punktirt. Blätter glänzend, eilanzettlich oder oval, scharf und stark gezähnt; Stiele mittellang, schwach; Nebenblätter lang, schmal linienförmig; Fruchtaugen gross, kegelförmig, kastanienbraun; Holzaugen spitz, braun, abstehend.
Wenn man im Mai die seitlichen Triebe entspitzt und sie Mitte September auf 4 Augen zurückschneidet, so bilden sich bei günstiger Witterung und wenn man durch einen kalihaltigen Düngerguss im August den Baum unterstützt hat, die stehen gebliebenen Augen noch im Herbst zu Fruchtaugen um.

Aus Lauche: Deutsche Pomologie, Verlag von Paul Parey, 1883.

Kommentar schreiben

Kommentar