Stichworte: Flora, Historie, Lauche aus Bewie's Mikrowelt

Gute Luise von Avranches
Gute Luise von Avranches

Heimath und Vorkommen: sie wurde von Longueval in Avranches in der Normandie im Jahre 1780 aus Samen gezogen und zu Ehren seiner Frau benannt. Zuerst wurde sie unter dem Namen Bonne de Longueval in den Handel gebracht. In Deutschland ist sie ziemlich verbreitet; auf meinen Vorschlag wurde sie in der 7. Versammlung deutscher Pomologen zu Trier im Jahre 1874 unter die 50 anzupflanzenden Sorten aufgenommen und in der 8. Versammlung zu Potsdam im Jahre 1877 zur Erziehung als Pyramide und als Horizontal-Cordon empfohlen.
Literatur und Synonyme:
l.  Louise- Bonne d’Avranches (Prévost, Cahiers pomologiques, 1839, S. 35).
2. Louise-Bonne de Jersey (Thompson, Catalogue of fruits of the Horticultural Society of London; 1842, No. 299).
3. Prince Germain (Decaisne, le Jardin fruitier du Museum, 1860, III).
4. Bonne-Louise d’Avranches (André Leroy, Dictionnaire de Pomologie No. 291).
5. Gute Louise von Avranches (Niederländischer Obstgarten, Tafel XI, Figur 22).
6. Louise Bonne-d’Avranches (Mas, le Verger, II, No. 32).
7. Gute Louise von Avranches, (Jahn, Illustrirtes Handbuch der Obstkunde No. 383).

Gestalt:
grosse, etwa 80 mm breite, 100 mm hohe, abgestumpft kegelförmige oder länglich eiförmige Frucht, die auf einer Seite oft mehr entwickelt ist, als auf der anderen. Die grösste Breite ist etwas unterhalb der Mitte, nach dem Kelche zu rundet sie sich sanft ab und endet nach dem Stiele in eine lange, abgestumpfte Spitze.
Kelch: geschlossen oder halb offen; Blättchen hart, aufrecht, kurz; Kelcheinsenkung mässig tief und ziemlich weit.
Stiel: von mittlerer Länge, stark, grün, am Ende verdickt, etwas gebogen, in einer schwachen Vertiefung stehend, oft zur Seite gedrückt oder auch in die Frucht übergehend.
Schale: glatt, fein, gelblich grün, zur Reife ziemlich gelb, grünlich und bräunlich punktirt, auf der Sonnenseite lebhaft blutroth verwaschen und dunkler punktirt; oft zeigen sich rothe Punkte, die sich von dem hellen Grunde gut abheben, ähnlich wie bei der Forellenbirn; am Stiel und Kelch bräunlich berostet.
Fleisch: gelblich weiss, sehr fein, schmelzend, mit eigenthümlich süssem, zugleich aber auch weinsäuerlichem und angenehm gewürzigem Geschmacke.
Kernhaus: schwach hohlachsig; Fächer eng, grosse, gut ausgebildete, länglich ovale, lang zugespitzte Samen enthaltend; von kaum angedeuteten Granulationen umgeben.
Reife und Nutzung: eine der ausgezeichnetsten Tafelbirnen, aber auch für die Wirthschaft vorzüglich. Sie reift Ende September und hält sich nach und nach gepflückt, gegen 4 Wochen.
Eigenschaften des Baumes: er wächst stark, bildet schöne Pyramiden, ist ungemein fruchtbar, gedeiht in jedem Boden, ist nicht empfindlich und wurde deshalb in Trier auch zur Bepflanzung der Landstrassen in gewöhnlichen Lagen empfohlen. In der Königlichen Gärtner-Lehranstalt stehen 12 Pyramiden, auf Quitte veredelt, die kräftig wachsen und jährlich prachtvolle Früchte hervorbringen; ich kann sie als die beste Sorte für diese Form empfehlen, da sie kräftigen Wuchs, grosse Fruchtbarkeit mit Schönheit und Güte vereinigt.
Sommertriebe sind kräftig, lang, aufstrebend, röthlich braun oder grün, etwas wollig, punktirt; Fruchtaugen mässig gross, eirund, braun, schwach wollig; Holzaugen spitz, lang, anliegend; Blätter eirund oder eilanzettlich, zugespitzt, scharf und tief gezähnt; Blattstiele kurz, röthlich; Nebenblätter schmal, oft fehlend.

Aus Lauche: Deutsche Pomologie, Verlag von Paul Parey, 1883.

Kommentar schreiben

Kommentar