Stichworte: Flora, Historie, Thomé aus Bewie's Mikrowelt

Herbstzeitlose
Tafel 109. Colchicum autumnale L. (Herbstzeitlose, Zeitlose) A und B die beiden Teile einer blühenden Pflanze; C oberirdisches Stück einer fruchttragenden Pflanze; 1 Längsschnitt durch Knolle und den Grund eines blütetragenden Stengels; 2 auseinandergebreitete Blütenhüllen mit den Staubblättern und Narben; 3 die Narben; 4 Staubblätter; 5 aufgesprungene Kapsel; 6 Querschnitt durch die scheidewandspaltig aufspringende Kapsel; 7 Same. 3, 4 und 7 (obere Figur) vergrössert.

Zeitlosengewächse: Ausdauernde, giftige oder verdächtige Kräuter mit Zwiebeln oder Knollen, selten mit faserig-büscheligen Wurzeln. Die Blüten stehen in Ähren, ährenförmigen Trauben, Ahrenrispen, Dolden oder Doldentrauben, selten einzeln; sie sind regelmässig und meist zwitterig. Die Blütenhülle ist meist bluraeukronartig, sechsspaltig oder sechsblätterig; die sechs Staubblätter sind dem Blütenboden oder dem Grunde der Blütenhülle eingefügt. Die Staubbeutel sitzen meist quer auf dem Staubfaden, sie öffnen sich meist mit 2 Längsspalten, selten sind sie nierenförmig und in der Reife einfächerig, dann springen sie mit einer an dem Scheitel vorbeigehenden Querspalte auf und breiten sich napfförmig aus (Veratrum). Der Fruchtknoten besteht aus 3 mehr oder minder miteinander verwachsenen Fruchtblättern; er hat 3 fadenförmige Griffel oder scheitelständige Narben. Die Frucht ist eine in ihre 3 Fruchtblätter scheidewandspaltig zerfallende Kapsel mit vielen Samen. Die Samen enthalten in fleischigem Eiweiss einen kleinen Keimling.

Herbstzeitlose: Knolle halb-eiförmig, auf ihrem Rücken gewölbt, auf der Vorderseite flach und von einer Furche durchzogen, in welcher der blühende Stengel liegt, mit dem sie nur an ihrem Grunde in geringer Verbindung steht. Am Grunde des kurzen Stengels findet sich ein Büschel faseriger Wurzeln; scheidenformige Blätter, von denen die obersten in ihrer Achsel eine kaum gestielte Blüte tragen, umgeben ihn. Die Blütenhülle ist eine sehr lange, grösstenteils im Boden sitzende Röhre, deren oberer Saum in 6 Zipfel gespalten und trichterig-glockig erweitert ist. Die Staubblätter sind dem Grunde dieses Saumes eingefügt; die Staubbeutel sind am Rücken oberhalb ihres Grundes beweglich angeheftet. Blütezeit August bis Oktober. Der Fruchtknoten sitzt tief im Boden, er ist dreifacherig und enthält zahlreiche Samenknospen; die 3 Griffel sind fadenförmig und so lang, dass sich die auswärtsgekrümmten Narben etwa bis zu den Staubbeuteln emporheben. Ausgebildete grüne Blätter sind zur Zeit der Blüte nur ausnahmsweise vorhanden, auch bildet sich im ersten Jahre die Frucht noch nicht aus; dies geschieht erst im folgenden Jahr, im Mai. Dann wächst das Stengelglied zwischen dem ersten (untersten) und zweiten Blatte zu einer Knolle heran, die im nächsten Herbste den blühenden Stengel in ihrer Furche trägt und ernährt. Das Stengelglied zwischen dem zweiten und dritten Blatte verlängert sich und hebt die nun völlig zur Ausbildung gelangenden Blätter so wie die Frucht über den Boden empor. Die alte Knolle stirbt ab und die Scheide des untersten Blattes wird zur braunen, die neue Knolle und den neuen Stengel einschliessenden Hülle. Die ausgebildeten Blätter sind scheidig- stengelumfassend, fleischig-krautig und länglich-lanzettlich bis riemenförmig. Die Frucht ist eine aufgeblasene, in ihrer oberen Hälfte scheidewandspaltig aufspringende Kapsel. Die Samen sind dunkelbraun, grubig-punktiert, etwas schmierig, mit schwammigem Nabelwulst. Die Pflanze ist stark giftig; ihre Samen, Semen Colchici, sind officinell. Höhe 15 bis 20 cm. Auf fruchtbaren, namentlich feuchten Wiesen im südlichen und mittleren Teil des Gebietes häufig; im nördlichen selten.


Bilder und Texte (z.T leicht modifiziert) aus: Thome, Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, 2. Auflage

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