Bewie 's Mikrowelt Sturms Flora von Deutschland, Band 3: Echte Gräser (Gramineae) – Tafel 25
Schön, dass Du Bewie 's Mikrowelt besuchst. Möchtest Du kommentieren, kritisieren, richtigstellen, etwas anmerken? Dann bitte nach unten zur Kommentareingabe scrollen!

Kopfgras, Sesleria coerulea Ard.
Schilfrohr, Phragmites communis Trin.

Kopfgras, Sesleria coerulea Ard.
Taf. 25, Fig. 1 :
a) Aehrenrispe in etwa 1/2 nat. Gr.;
b) blühendes Aehrchen.
Halme 10 bis 50 cm hoch. Blätter steif, lineal, plötzlich zugespitzt. Aehrenrispe länglich, etwas einseitswendig, blau überlaufen.
Aehrchen 2 bis 3blütig. Decksp. mit 2 bis 4 borstenartigen Zähnen und einer kurzen, aus der Mitte kommenden Granne, ad. 4-6.
Die Form calcarea Opitz hat flache (am Rande nicht gerollte) Blätter, deren Mittel- und Randnerv stark hervortritt; sie kommt auf sonnigen Hügeln auf Kalk, Basalt und Sand zerstreut vor. Die Form uliginosa Opitz, mit bläulich bereiften, von den Rändern her eingerollten Blättern, an denen Mittel- und Randnerv nicht so hervortreten, wächst auf feuchten Moor- und Heidewiesen in Ostpreussen (am Strande bei Memel und Kranz) und in der bayerischen Hochebene.
Das Kopfgras gehört zu den Gewächsen, welche Hexenringe bilden, und hat „als ringbildende Pflanze in Schweden sogar eine gewisse Berühmtheit erlangt. Es heisst dort nämlich im Volksmunde elf dansar, und es ist der Glaube verbreitet, dass die Elfen an den Orten, wo die Ringe aus diesem Grase gebildet werden, mit besonderer Vorliebe ihre nächtlichen Tänze abhalten“. (Kerner.)
Die Blätter dieser Art falten sich zum Schutz gegen zu starken Wasserverlust nach oben; die nach aussen gekehrte Unterseite hat keine Spaltöffnungen, dagegen eine dickere Oberhaut als die geschützte Oberseite. (Cynosurus coer. L.)
In den bayrischen Alpen (um Berchtesgaden) kommt das kleinköpfige Berggras (S. microcephala DC.) vor.
Schilfrohr, Phragmites communis Trin.
Taf. 25, Fig. 2:
a) Rispe verkl.;
b) blühendes Aehrchen;
c) eine Blüte mit Deck- und Vorsp.
Wurzelstock kriechend, mit dicken Ausläufern. Halme aufrecht, rohrartig, 1 bis 2,5 m hoch. Blätter lanzettlich, breit (ca. 3 cm), blaugrünlich 5 Blatthäutchen in Wimpern aufgelöst. Rispe ausgebreitet; bis 30 cm lang, silberglänzend und meist violett überlaufen, zuletzt einseitig und überhängend. Aehrchen meist 5 bis 6blütig. ad. 8.
Häufig in und an Seen, Altwassern und Gräben, etwas seltener am Ufer der Bäche und Flüsse und zwar stets truppweise infolge Ablegerbildung durch Stocksprosse. Diese Art der Vermehrung und „die Ausbildung truppweise angeordneter Bestände vollzieht sich am grossartigsten an Phrag. communis. Auf geeignetem Boden angesiedelt, überzieht dasselbe in ununterbrochenem, unaufhaltsamem Zuge, alle andern Pflanzen unterdrückend und verdrängend, die weitesten Gelände. An der unteren Donau sind manche Niederungen so dicht mit Rohr bestanden, dass man dort thatsächlich im Umkreis mehrerer Stunden ausser Rohrhalmen nur noch einige wenige untergeordnete, physiognomisch nicht hervortretende Pflanzen zu sehen bekommt. Dieses Rohr ist auch insofern interessant, als sich die Ablegerbildung bei demselben sowohl unter der Erde als unter Wasser vollziehen kann; und es ist gewissermassen das Vorbild einer Gruppe von Pflanzen, welche vermöge ihrer amphibischen Natur bei der Umwandlung von wasserbedecktem in trockenes Gelände und bei der Besiedelung der in Betreff des Wasserstandes grossen Schwankungen unterliegenden Flussläufe eine wichtige Rolle spielen“. (Kerner).
Die Blätter des Schilfrohrs haben innen glatte Blattscheiden und drehen sich gleich Windfahnen bei heftigen Winden um den Halm, wodurch die Knickung derselben vermieden wird. Bei den dicht stehenden, sehr zahlreichen Blüten soll es stets zu Fremd- bzw. Kreuzbestäubung kommen. Die mit dem Früchtchen in Verbindung bleibenden lang behaarten Teile der Aehrchenspindel bilden eine wirksame Flugvorrichtung.
Das Schilfrohr wird zu Dachdecken, zur Bekleidung von Wänden, zu Zwischenböden, Matten, Flechtwerk etc. verwendet; die jungen Sprossen dienen auch als Pferdefutter und als Streu.
An und in dem Schilfrohr leben folgende Insekten und zwar
a) Käfer: Phytonomus arundinis Hbst., Donacia menyanthidis Fb., Donacia semicuprea Pz., D. fennica Pk., D. hydrocharidis Fb., D. nigra Hbst. u. D. discolor Hopp.
b) Schmetterlingsraupen:
Phragmataecia arundinis Hb. im Mai in den vorj. Halmen unter dem Wasser; Hadena ophiogramma O. im Mai in jungen Schossen;
Helotropha leucostigma Hb., Hydroecia micacea Esp. im Mai und Juni in den Wurzeln;
Nonagria geminipunctata Hatch. u. N. neurica Hb. in den Halmen, die erstere im Juli und August;
Senta maritima Tausch im April und Mai in den vorjährigen Halmen, in denen sie überwinterten;
Calamia lutosa Hb., Leucania pudorina Hb., L. impura Hb., L. straminea Tr. u. L. obsoleta Hb. nähren sich im Raupenzustand vom Mark des Schilfrohrs; man findet sie meist im Frühjahr in den vorj. Halmen.
Ferner: Meliana flammea Curt., im Juli in Rohrstengeln; Plusia festucae L.; Chilo phragmitellus Hb., vom Herbst bis Frühling in den Halmen; Gelechia arundinetella Stt. u. Elachista cerusella Hb. in Blatt-Minen.
c) Larven von Hautflieglern:
Cephus arundinis Gir. in jungen Halmen;
die Larven einer Sammelbiene (Halictus) in der Galle der Schilffliege.
d) Fliegen-Maden:
Agromyza nigripes Mg. in geraden, breiten Blattminen im Juli und August;
Cecidomyia inclusa Frfld. in gallenartigen Auswüchsen im Innern des Halms;
C. scutellata im Innern des Halms;
C. phragmitis Gir. in kleinen Gallen auf der Aussenseite des Halms;
Lasioptera arundinis Schin. gesellig im Mark des Halms (Verwandlung im Frühling);
L. flexuosa Winn. gesellig in Anschwellungen nichtblühender Halme an den Gipfel-lnternodien;
Lipara lucens Mg. (die Schilffliege1) in den kolbenförmig verdickten Halmspitzen;
L. tomentosa Macq. u. L. similis Hb.2) in ähnlichen, aber schmächtigeren Halm-Anschwellungen.
e) Schnabelkerfe:
Aphis arundinis F. im Juli und August in dicht gedrängten Gesellschaften auf der Oberseite der Blätter;
Tettigonia arundinis Germ. und Asiraca crassicornis Fb. (zwei Cicaden) im Sommer auf den Blättern.
In den Halmgliedern bildet ein Pilz (Ustilago typhoides Berk. et. Br. ein schwarzes Pulver; diese Stellen verdicken sich fast wie ein Rohrkolben, sind anfangs graubräunlich, nachdem die Haut aufgesprungen, aber schwarz.
Aus: J. Sturm’s Flora von Deutschland, Nachdruck nach 1900 mit Chromolithographien (Ernst H. L. Krause: Schriften des Deutschen Lehrer-Vereins für Naturkunde).

Kommentar schreiben

Kommentar