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Stuttgarter Geishirtel
Stuttgarter Geishirtel

Heimath und Vorkommen: sie wurde im Anfange der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts von einem Hirten bei Stuttgart aufgefunden und zuerst von Diel im Jahre 1805 beschrieben. Oberdieck machte auf diese namentlich in Süddeutschland sehr verbreitete Birn bereits in der dritten Versammlung deutscher Pomologen zu Berlin aufmerksam; die 7. Versammlung zu Trier nahm sie unter die 50 anzupflanzenden Sorten auf.
Literatur und Synonyme:
1. Langstielige Stuttgarter Russelet (Diel, 1805, IV. S. 74).
2. Wahre Stuttgarter Geishirtel, (Diel, VI. S. 36).
3. de Stuttgardt, (Decaisne, le Jardin fruitier du Museum, 1861, IV).
4. Chevriers de Stuttgardt, (André Leroy, Dictionnaire de Pomologie No. 348).
5. Stuttgarter Geishirtel (Jahn Illustrirtes Handbuch der Obstkunde No. 12).
6. Rousselet de Stuttgard (Mas, le Verger III. No. 47).
Gestalt: kleine, etwa 45 mm breite, 55 mm hohe, birnförmige, oft bauchige Frucht. Die grösste Breite sitzt etwas unter der Mitte; nach dem Kelch zu ist sie abgerundet, nach dem Stiele kegelförmig abgestumpft.
Kelch: offen; Blättchen langgespitzt, schmal, sternförmig zurückgeschlagen; Kelcheinsenkung flach, eben.
Stiel: mittellang, holzig, grün, sitzt meist oben auf wie eingesteckt, oft mit feinen Rippen umgeben, auch mitunter durch einen Fleischwulst zur Seite gedrückt.
Schale: zart, fein, glatt, gelblich grün, auf der Sonnenseite trübroth verwaschen, mit zahlreichen grünen, auf der Sonnenseite röthlich braunen Punkten; um Kelch und Stiel oft mit zimmetfarbenem Rost bedeckt. Stark besonnte Früchte haben in der Färbung Aehnlichkeit mit der Guten Luise von Avranches.
Fleisch: grünlich weiss, saftig, schmelzend, von sehr süssem, etwas zimmetartigem Geschmacke.
Kernhaus: hohlachsig; Fächer geräumig, lang zugespitzte, braune oft wenig ausgebildete Samen enthaltend, von zahlreichen Granulationen umgeben. Kelchröhre flach, Staubfäden hoch oben entspringend.
Reife und Nutzung: vorzügliche Tafelfrücht, aber auch zu allen wirthschaftlichen Zwecken brauchbar. Sie reift Ende August und hält sich etwa 8 Tage; muss aber abgenommen werden, bevor sie am Baume gelblich wird.
Eigenschaften des Baumes: er wächst lebhaft, bildet eine schöne, pyramidale Krone, wird mittelgross, gedeiht in jedem Boden, wenn die Pflanzung nur sorgfältig ausgeführt wird, verlangt aber etwas warme Lage. Auf Quitte ist der Wuchs schwach; Pyramiden zieht man am besten auf Wildlinge veredelt.
Sommertriebe kräftig, braunroth punktirt; Fruchtaugen stumpf, braun, kegelförmig; Holzaugen spitz, kegelförmig, abstehend; Blätter mittelgross, rundlich, eirund oder eilanzettlich, langzugespitzt, fast ganzrandig, glänzend; Blattstiel lang, schwach; Nebenblätter fehlen.

Aus Lauche: Deutsche Pomologie, Verlag von Paul Parey, 1883.

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