Bewie 's Mikrowelt Der Arlequin, ein Schlammwasser Inseckt (Fig. I) nebst denen grünen Pucerons oder Einaugen
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Bild aus: Ledermüller, Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzungen, Tafel 75

Der Arlequin, ein Schlammwasser Inseckt, oder Schnakenwurm und
Die grünen Pucerons oder Einaugen
Die Bilder im oberen Bereich dürften Zuckmückenlarven darstellen, die Ledermüller wegen ihrer Farbe und ihrem hampelartigen Bewegungsmuster als Arlekins bezeichnet hat. Unten sieht man eine Daphnie, landläufig Wasserfloh oder Blattfußkrebs genannt. Ledermüller schreibt dazu:
Unter denen Schlammchierchen findet sich ein Geschöpf, welches in gar vielen Stücken, der poßirlichen Figur eines Arlequins gleichet. Sein schwarzer Kopf, sein scheckicht gefärbter Leib, und seine lächerlichen Sprünge und hüpfenden Verdrehungen und Wendungen, deren einige mit sternchen bey der 1. Figur dieser fünf und siebenzigsten Kupfertafel angemerket sind, haben viel ähnliches mit dieser lustigen Person der italienischen Schaubühne: Denn bald steht dieses Inseckt auf dem Kopf oder vielmehr auf der unter demselben hervorragenden rothen Zunge oder Klappe, bald aber auf seinem mit breiten Floßfedern gezierten Schwanze, gerad in der Höhe; bald liegt es nach der Länge gestreckt, ganz stille, fährt aber hernach wie ein Blitz zusammen und springt wie eine schlange, weit vor sich hin. Zuweilen ist es wie ein Ballen zusammengerollt, siehet mit seinem schwarzen Kopf heimtückisch, gleich einem Scapin aus seinem Mantel, hervor, macht sodann mit einmal einen sprung in die Höhe, krümmet sich endlich wie ein gespannter halber Bogen, und gehet ganz bedächtlich in dieser Positur, als eine Spannerraupe, auf dem Wasser fort, auf welchem es sich allemal, sowohl in der Tiefe als auf der Fläche und dem Grunde des Wassers, im Gleichgewichte, wie ein Fisch, zu erhalten weiß. Daher ich auch dieses Geschöpfe nach meiner Einbildung, mit einem Arlequin verglichen habe.
Die 1ste Figur
zeigt übrigens bey a. die natürliche Grösse dieses Insekts; und die mit Sternchen bemerkten etwas grössern Veränderungen, stellen seine mannigfaltigen Bewegungen vor. b. Hingegen ist eine Zeichnung, so durch die Linse Nummer 4. unter dem Marschallisch-zusammengesetzten Mikroskop, genommen worden, nach welcher dieser Schnakenwurm mit einem Eyrunden schwarzen Kopf, der mit zwey spitzigen Fühlhörnern gleich den Nadeln, einem Zangengebiß und zwey braunen Augen versehen ist, ferners aus einem langen schlanken Körper von zwölf Abtheilungen, bestehet, durch welchen ein langer grüner schlauch, vom Kopf bis zum Ende des Schwanzes, fortlauft. Das letzte Gelenke des Schwanzes, ist mit zwey langen Floßfedern und zu beeden seiten mit vier kürzern dergleichen Flossen oder Klappen, auch einigen spitzigen Haaren, gezieret; wie bey d. durch Num. 3. vergrössert, nebst dem Kopfe c. zu sehen, an dessen unterstem Theile, eine lange rothe Klappe, gleich einer Zunge befindlich ist, welche ihme statt der Füsse dienet, sich darauf bey allen seinen Wendungen im Gleichgewichte zu erhalten. Seine Farbe, welche ausser dem Vergrößerungsglase Zinnober roth siehet, ist unter dem Mikroskop vermischt und fällt in das gelbe, rothe und rosenfarbe, welche nebst dem grünen Magendarm, dem Auge eine angenehme Betrachtung verursachet. Er verwandelt sich endlich in eine Puppe, aus welcher eine Schnakenmüke wird.
Die 2te Figur
stellet diejenige Art Pucerons vor, welche der Herr Ritter Linnäus Einaugen, Herr Dr. Schäfer in Regenspurg, die zackigen Wasserflöhe auch Kiefenfüsse, Herr Rösel die gehörnten Wasserflöhe und Schwammerdamm die ästigen oder gezackten Wasserflöhe, Goedaert aber, die Wasserlauß genennet. a. Zeigt sie in natürlicher Grösse, wiewohl ich sie zuweilen etwas grösser gefunden habe. b. Ist ein solch vergrösserter Wasserfloh, dessen Gestalt überhaupts, Eyförmig sichet. Es scheinet dieses Thierlein nur ein Auge zu haben, ob es schon deren zwey und zwar Netzförmig, wie andere Inseckten hat, welche nach Schwammerdamms Zeugmus, nur so dichte neben einander stehen, daß man sie für ein einiges Auge halten sollte, wiewohlen ihme vom Herrn Dr. Schäfer, in Ansehung der Zergliederung, überhaupts widersprochen worden. Sie stehen über dem Schnabel auf der Stirne; und an denselben die zweyästigen beeden Hörner. Ein jedes von diesen beeden Hörnern oder Armen, sproßt aus einem Stamme hervor, der sich in zwey Aeste zertheilet, von welchen wiederum ein jeder in fünf besondere Zweige sich ausbreitet; wie bey e. ein solcher Ast mit seinen Zweigen, durch Numer 2. im Handmikroskop vergrössert, zu sehen ist.
Mit diesen vielen Armen oder Flossen, rudert es so geschwinde als ein Pfeil, durch das Wasser in die Höhe, Tiefe, Breite, Quere und Runde, und kan sich so schnell im Wirbel herum drehen, als es hupft und schwimmet. Sein Leib ist in einer durchsichtigen weissen schaale eingeschlossen, welche wie silber glänzet und sehr zierlich geflochten ist, wie bey c. und d. angemerket habe; massen der Bau dieser Schaale nicht einerley Beschaffenheit hat, indem einige gepanzert, andere mit Schuppen, andere mit Rauten, wieder andere mit sechs und acht Ecken bedeckt zu seyn, das Ansehen haben. Der Kopf aber ist gleichsam mit einer Kappe überzogen, dessen Mund den schnabel eines Vogels sehr nahe kommt. Die Schaale des Leibes ist vorn am Bauch geöfnet und in zwey gleiche Theile entzwey gespalten, welche das Thierchen selbst öfnen und zuschliessen kan. Am Ende derselben läuft sie hinten spitzig zu; vornen aber, streckt es sehr oft einen zackigten Schwanz hervor, welcher mit vielen sehr feinen Aesten und Haaren besetzt ist, und womit es ebenfalls zu rudern pflegt.
Durch die ganze schaale läuft ein grüner oder rother schlauch oder ein Eingeweid, von denen Augen an, bis zum Ende der Schaale, der den Körper dieser Kreatur ausmacht. An diesem Körper sind vornen die Füsse, die ebenfalls mit sehr vielen zarten Floßhaaren besetzt sind, und beständig in einer zitterenden und an sich ziehenden oder ruderenden Unruhe, arbeiten. Die peristaltische Bewegung der Eingeweide, lässt sich gar deutlich erkennen, sowohl als der auf dem Rucken liegende Eyerstock, wo man 30. bis 4o. und mehr Eyer zehlen kan. Es pflegt sich dieser Wasserfloh sehr oft zu häuten; und man findet dergleichen abgezogene schaalen ebenfalls, viele, wie bey denen nierenförmigen Pucerons, im Wasser schwimmen.
Weil unter diesen Wasserflöhen auch eine besondere Art sich befindet die rothe Körper hat, (gleich denen die ich Tab. LXXII. beschrieben habe) von denen nicht selten die ganze obere Fläche einer Pfütze oder Wassergrabens bedeckt ist, so mögen diese unschuldigen Kreaturen leicht zu dem Irrthum älterer Zeiten Anlaß gegeben haben, als ob es an einigen Orten Blut geregnet habe.


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