Bewie 's Mikrowelt Die Aale im Eßig und Kleister
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Bild aus: Ledermüller, Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzungen , Tafel 17

In Kleister, Essig oder auch im Sauerteig tummelte sich früher offenbar eine Schar kleiner Würmchen, die Essigälchen oder Kleisterschlängelein genannt wurden. Heute werden solche kleinen Fadenwürmchen von Auquarianern gezüchtet, um die Fischbrut damit zu füttern. Sie ernähren sich unter anderem von Essigsäurebakterien und sind für den Menschen harmlos, auch wenn man einige davon versehentlich runterschluckt.
Ledermüller erzählt hierzu eine kleine Anekdote:
„Indessen findet man dieses Aale nicht zu allen Zeiten, nicht in jedem Kleister, nicht in jedem Sauerteig, nicht in jedem Essig. Je älter und säuerer alles dieses ist, worinnen sie leben, je gewisser wird man sie darinnen finden.
Ich kann hierbey nicht umhin, einen Zufall zu bemerken, der mir sowohl Verwunderung als auch Vergnügen verschafft hatte.
Ich musste vor einigen Jahren verreißen. An dem Ort meiner Bestimmung aber wohnte ein werther Freund von mir, der mich zum öfteren in Briefen ersuchte, ich möchte ihm etwas lebendigen Kleister schicken. Bey dieser Gelegenheit nahm ich nun welchen in einem Zuckergläschen mit mir und gab meinem Freund davon, bis auf etwas weniges so in dem Glase geblieben. Diesen Rest nahm ich sodann bey meiner Rückreise wieder mit mir, und bey Auspackung des Kofers wurde es unter andere alte Gläser gestellt.
Zwey Jahre hernach brauchte ich zu Auflösung einiger Salze verschiedene kleine Gefäße. Ich suchte daher alle Winkel in meinem Hauß nach Gläsern durch, und fande endlich zum guten Glücke mein Reise-Gläschen; den wenigen Kleister aber, so hart wie Horn darinnen. Da ich mich nun erinnerte bey Backern gelesen zu haben, daß die Aelchens wieder aufgelebet werden könnten, wenn sie auch viele Jahre vertrocknet wären, so stellte ich sogleich einen eigenen Versuch damit an. Ich goß daher etwas weniges laues Wasser an den Kleister, und ließ ihn bis des andern Tags stehen. Das Morgens aber als ich solchen betrachten wollte, entdeckte ich schon auf der obern Fläche dieses flüßigen Teiches, eine sehr starke Bewegung, und mit Hülfe des Vergrösserungsglases eine ganze Welt voll Aale und zu Millionen grosser und kleiner Schlangen.“


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