Die Fortsetzung der Polypen
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Bild aus: Ledermüller, Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzungen, Tafel 82

Trembley hatte beobachtet, dass Hydren in einem abgedunkelten Glas zu einem Lichtloch hinwandern, und das hat Ledermüller zu einer gewagten Aussage animiert: „Indessen habe ich doch an jeder Seite des Polypenkopfes einen grossen dunklen Flecken wahrgenommen, welche ich noch immer für die Augen des Polypen halte, ob ich schon gerne zulasse, dass ich mich habe betrügen können.“ Immerhin hatte er also selber noch leichte Zweifel, ob der großäugige Polyp, den er hier abgebildet hat, Realität ist.

Wie wir heute wissen, waren die Zweifel berechtigt: Die Hydra hat keine Augen. Allerdings haben inzwischen Biologen an der Universität von Santa Barbara in Kalifornien das Opsin-Gen im Genom der Hydren gefunden. Die Tiere können also durchaus lichtempfindliche Substanzen synthetisieren, die dann aber offensichtlich nicht in speziellen Organen arbeiten, sondern diffus verteilt sind. Insofern lässt sich auch die Lichtempfindlichkeit der Hydren erklären.

Vor weiteren Erklärungen Ledermüllers noch ein kleiner Hinweis: Die darin erwähnte Stachelschlange ist offensichtlich der Oligochaete Stylaria lacustris mit seinem typischen Tastrüssel.

Nun aber Ledermüllers Legende zu den Zeichnungen:
a. Ist ein brauner Polyp, der eine Stachelschlange in seinen Armen gefangen hält und zwar in natürlicher Grösse.
b. aber unter dem Marschallischen Mikroskop durch die Linse Num. 3. vergrössert, dessen Mund
c. Die zwey braunendunkeln Flecken zu beeden seiten des Kopfs, so ich für die Augen halte,
d, und e. seine sieben Arme anzeigt.
f g und h. stellet das Stachelschlänglein natürlich und durch erstgedachte Vergrösserung vor, welches die allerliebste Speise des Polypen ist.
i. k. l. m. sind grün und rothe gehörnte oder ästige Wasserflöhe und Traubenträger, welche ebenfalls von denen Polypen häufig verschlungen werden, so daß man öfter 10. bis 11. solcher Kreaturen, in dem Schlauch eines einigen Polypen siehet.
n. Ist ein Polyp der seinen Rachen auf das weiteste eröfnet, um seine Beute zuverschlingen, die ungleich grösser ist als er, und in dieser Bemühung siehet er einen Becher oder Trichter ähnlich. Bey o. und p. aber siehet man zusammgezogene Polypen, welche sich voll angefressen haben, und wie die Krautsäcke strotzen, oder wie eine stumpfe Rettigrübe sehen. Sie sind nur hier durch das suchglaß betrachtet abgezeichnet worden.
q. r. s. t.und v. gibt den Gang dieser Kreaturen zu erkennen. Denn wenn sie nach Fig. t. auf dem hintersten Theil stehen, so setzen sie im Bogen den Kopf so weit sie können q. vor sich hin, heben sodann den hintern Leib in die Höhe und rücken ihn bis zum Kopf vor, r. richten sich darauf mit dem Kopf wieder in die Höhe, s. und fahren so fortzugehen t. bis sie dahin kommen, wohin sie verlangen. Zuweilen sehet man sie auch gekrümmt, wie ein Posthorn stehen v. anderer Veränderungen Kürze wegen, nicht zu gedenken. Ihre Jungen setzen sie fast auf gleiche Weise ab. Der alte Polyp setzt sich, nehmlich an etwas, das ihme hierzu gelegen ist, mit Kopf und Schwanz in einen halben Bogen, vest. Wann nun das in der Mitte seines Leibes hangende Junge ebenfalls und an eben den Ort, sich mit seinen Armen bevestiget hat, so hebt die Mutter entweder den schwanz x. mit Gewalt in die Höhe oder es ziehet mit einmalgeschwinde den Kopf zurücke z. reißt sich dadurch von seinen Jungen loß, und lässet es alleine hangen. A. B. C. sind dreyerley Vorstellung vom Köpfen verschiedener Polypen. D. Ein kleines Stückgen von der Haut eines Polypen, wie sie sich von innen zeigt, hier aber stark vergrössert. Und E. ist nach Rößeln ein Ausgewächs an den Bauch oder Leib des Polypen, welches seinen baldigen Todt anzeiget, und eine Krankheit dieser Kreaturen ist.


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