Bewie 's Mikrowelt Die Menschenhaut und deren Schweißlöcher
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Bild aus: Ledermüller, Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzungen, Tafel 55

Die Menschenhaut und deren Schweißlöcher
Der Mensch war für den Menschen schon immer das interessanteste Objekt, und so handelt Ledermüller dieses Thema recht ausführlich ab. Hier der gesamte Text:
Ohngeachtet die wahre Beschaffenheit unserer obersten Haut eben sogar richtig und genau noch nicht bestimmt oder beschrieben, sondern gar vielen Menschen noch verborgen und unbekannt ist; so haben sich doch schon in den ältesten Zeiten die grösten Naturforscher die Mühe gegeben, solche zu untersuchen. Es mag Timäus Locrus, auf dessen system Plato seine natürliche Philosophie hernach gebauet, wohl für den ersten den wir wissen, gelten, welcher eine ordentliche Beschreibung oder Definition von der äussersten Haut des Menschen und ihren Schweißlöchern uns hinterlassen hatte.
Nach ihme folgte der Vater der Arzneykunde Hippocrates und lehrete ebenfalls, „daß der ganze menschliche Leib also beschaffen, daß er ausduften und wieder einathmen transpiriren und inspiriren fan.“ Und seine würdige Nachfolgere Sancktorius a Sancktoriis, Nicolaus Steno, Marcellus Malpighius und Nehemias Grew, haben nicht sowohl von ihrer Beschaffenheit als vielmehr von ihren Nutzen, uns die herrlichsten Schriften geliefert.
Unser verdienstvolle Herr Stadt-Physicus, Titl. Herr Docktor Johann Friederich Hörel, schrieb schon im Jahr 1732. eine gelehrte Streitschrift über den vorzüglichsten Nutzen derer Schweißlöcher auf der obersten Fläche des menschlichen Körpers, welche diesem berühmten Arzt die höchste Würde der Arzneygelehrsamkeit zuwegen brachte. Und ich getraue mir ohne alle schmeicheley nach meinem geringen Ermessen, zu versichern, daß man bey deren Durchlesung so vielen Nutzen als Vergnügen erhalten wird.
Meines Orts gedenke ich, nur die äussere Gestalt der Haut und ihrer Schweißlöcher, allhier meinen g.L. vor Augen zu legen, das übrige aber denen, welchen die Geheimnüsse des Aesculaps anvertrauet sind, lediglich zu überlassen. Ich habe nicht mehr als zwey Zeichnungen davon in Kupfer gestochen gesehen, – davon die eine vom Leeuwenhoeck, die andere vom Grew geliefert worden. Ich muß aufrichtig gestehen, daß Grew viel natürlicher und zuverläßiger gehandelt als Leeuwenhoeck, indeme ich die Beobachtungen und die Figuren des ersteren mit denen meinigen sehr ähnlich befunden, hingegen die Leeuwenhoeckischen dreyfach aufeinander liegenden fünfeckichten Schuppen der Haut, noch nicht entdecket habe, ohngeachtet ich gewiß bessere Gläser zu besitzen glaube, als damalen Leeuwenhoeck haben können.
Denn wenn Doktor Grew versichert, beobachtet zu haben; daß die Schweislöcher in denen Händen und an denen Füssen des Menschen, grösser und weiter wären als an den übrigen Theilen des Leibs; daß die Haut allda mit unzähligen Linien von sphärischen Dreyecken und Elypsen versehen seye, zwischen denen man die Schweislöcher schon mit den blossen Augen sehen könnte; Daß diese Schweislöcher durch das Vergrösserungsglaß kleinen Quellen ähnlich, in deren Mitte Tropfen sehr klares Wasser zu sehen wären, welche allemal wieder hervor zu dringen pflegten, so oft man sie abwische c. so sind dieses Wahrnehmungen, welche ihren Grund auf der neuesten und täglichen Erfahrung haben, und welche jeder Liebhaber für richtig erkennen wird, sobald er nur mit gemeinen Vergrösserungsgläsern Nummer 4. 5. Erfahrungen anstellet.
Ich halte dafür, die äusserste Haut des Menschen, bestehe aus Linien, Rissen oder Spalten, Schweislöchern und Schuppen.
Auf dieser fünf und funfzigsten Kupfertafel wird Fig. 1. ein Finger mit blossen Augen betrachtet vorgestellet, an welchem man schon die Eliptischen Linien und Schweislöchlein sehen kan. Fig. 2. aber nur des Zeigerfingers erstes Glied, dessen äusserste Haut, durch den unvorsichtigen Gebrauch des Scheidewassers, viele Oefnungen und Spalten erhielte und sich von dem ganzen Glied abgelößt hat und zwar durch Nummer 6. vergrössert. Ich hielte anfänglich diese zwischen den Linien beobachtete Risse, Spalten oder sprünge auf denen die Schweislöcher zu sehen waren, für die wahren Schuppen, welche Leeuwenhoeck beschrieben hatte; alleine die weitere Untersuchung belehrte mich eines bessern.
Denn da ich nur eine einige solche vermeyntliche Schuppe davon in der natürlichen Grösse s. Fig, 5. bey c. in den Schieber gebracht und hernach durch Nummer 0. beobachtet hatte, so entdeckte ich erst die Menge der kleinsten Schuppen , s. e. deren höchste Vergrösserung einzeln bey d. durch Nummer o. o. betrachtet, angezeigt worden, und welche so klein sind, daß 200. derselben von einem Sandkorn bedeckt werden können.
Ich kan daher nicht begreiffen, warum Leeuwenhoeck diese schuppen so groß gezeichnet, wie fig. 3. viele derselben bey a. und eine einige dreyfach aufeinander liegende bey b. nach dessen Zeichnung genommen, vorstellet. Bis daher bin ich aller angewendeten Mühe ohngeachtet, noch nicht so glücklich gewesen, die Schuppen der Menschenhaut grösser als wie d. und e. fig. 5. zeigt, zu sehen.
Die 4te Figur aber stellet ein kleines stückchen Haut vor, das ebenfalls natürlich nicht grösser als wie bey c. angemerkt, und aus der Mitte der Hand genommen ware. Hier sind die Linien und Schweislöcher getreulich angezeigt wor den, wie ich sie nur durch Nummer 4, betrachtet habe, Liebhaber dörfen auch nur diese Untersuchung mit gedachtem Glasse Nummer 4. oder 3. bey einem hellen sonnenschein oder starken Beleuchtung mit Lichtern, anstellen, so können sie in ihrer eigenen Hand das Hervorquellen des schweisses aus denen schweislöchern, schon deutlich genug beobachten.
Ich überlasse übrigens meinen g. L. ob sie um etwas Menschenhaut zum untersuchen zu erhalten, nachstehenden Rath des Herrn Backers folgen wollen.
„Um die Poros sehen zu mögen, so schneidet mit einem scharfen Scheermesser ein dinnes schnitzlein von der obern Haut; dann schneidet ein zweytes an gleichen Ort ab, und bringt solches nicht grösser als ein sandkorn bedecken mag, vor das Mikroskop.“
Ich sollte fast glauben, wenn man das zweytemal mit dem Scheermesser der Haut eine so gefährliche Visite machen wollte, es dörfe wohl gar das Fleisch mitgehen.
Indessen ist doch ohne allen Scherz, es sogar leichte nicht als man vielleicht glaubt, eine zu Mikroskopischen Untersuchungen taugliche Menschenhaut zu bekommen. Man glaube zum Exempel nicht, daß diejenige geschickt seyn, welche von Händen genommen worden, die sich etwann Blasen gearbeitet haben, sollte es auch von der schönsten und zärtesten Frauenzimmer Hand seyn.
Dergleichen Blasenhaut ist noch viel zu dick und mehr Hornartig als häutig und gar nicht durchsichtig.
Ich habe daher diesen Versuch verschiedene Jahre, wegen Mangel des Objeckts, müssen anstehen lassen, bis mir endlich vor einigen Wochen erst der Zufall wiederfahren, daß, da ich etwas mit scheidewasser reinigen wollte, der Zeigefinger meiner rechten Hand, dergestallt Schaden dadurch genommen, daß sich die oberste Haut davon, wie oben schon angemerkt habe, gänzlich ablößte, und mir ganz ohngefehr einen ziemlichen Vorrath an Haut zu mikroskopischen Beobachtun ohne besondern schaden verschafte.
Ehe ich schliesse, kan ich nicht umhin, die Leeuwenhoeckische Ausrechnung noch mit anzufügen, wieviel nemlich Schweislöcher auf dem ganzen Leib eines Menschen befindlich seyn sollen.
Er setzt zum einen voraus, daß hundert derselben in einer Linie hinter einander stehend den zwanzigsten Theil eines Zolls ausmachen. Ein Zoll hielte also 1000. und ein schuh 12000. in einer Linie; Ein Quadratschuh aber 144 Millionen. Wenn man nun die Oberfläche eines Mannes für 14 Quadratschuh als bekannt annehmen wollte, so würde man auf der Oberfläche seiner ganzen Haut, zweytausend und sechzehen Millionen Schweislöcher haben.
Endlich wünsche ich grundmüthigst allen meinen g.L. daß ihre Pori allzeit die gehörige Würkung, wozu sie von der Natur bestimmt sind, thun, und weder zu wenig noch zu viel ausdünsten mögen, als welches beedes der Gesundheit gefährlich ist.
Liebhaber, welche ein Sonnen-Mikroskop besitzen, können die Ausdünstung der Hände, an der weissen erleuchteten Wand, wie einen starken Rauch aus denen fünf Fingern in die Höhe steigen sehen; welches mir und verschiedenen andern geneigten Gönnern und werthen Freunden zum öftern eine angenehme Belustigung in der verfinsterten Kammer verschafte.
Da mir diesen Augenblick der besondere Gedanke des Herrn Maillets erst zu Gesichte gekommen, nach welchem derselbe das ganze menschliche Geschlecht zu Wasserthieren machen will, so kan ich nicht umhin, auch diesen neuen und eigenen Einfall noch mit anzuschliessen, solchen aus dem Französischen zu übersetzen und der Prüffung der g. L. zu überlassen.
„Man findet auch zu gleicher Zeit an denen Menschen ein sicheres Kennzeichen, daß sie ihren Ursprung aus dem Meer haben. In der That, darf man nur ihre Haut mit einem solchen Vergrösserungsglas betrachten, dergleichen zu unsern Zeiten erfunden worden, und welches z. E. ein Sandkorn so groß als ein Strausseney vergrössert. Denn dadurch werdet ihr die ganze Haut mit kleinen schuppen bedeckt sehen, welche den schuppen der Karpfen ähnlich kommen.“ Sezt man noch vollends aus der täglichen Erfahrung hinzu, daß wir viele Menschen sehen, welche so schäbigt sind, daß man mit blossen Augen die schuppen auf ihrer Haut liegen sehen kau, so ist diese Herkunft aus dem Meer noch stärker dadurch bekräftiget.
Diese Geschichte brachte mich in Ansehung der schuppen unserer Haut, auf verschiedene besondere Gedanken. Und da ich heute abermalen von Titl. Herrn Hofrath Trew einen höchst angenehmen Besuch erhielte, so entdeckte ich diesem erfahrnen und berühmten Zerglie derer, meine Meynung, und derselbe ware so gefällig, mir durch nachstehende Erfahrung, ein sehr helles Licht in dieser Materie zu ertheilen.
Es beliebte nemlich dem Herrn Hofrath, mir zu erzehlen, daß, als er vor vielen Jahren einen Menschenkopf, noch mit der Haut, in einem Gefäß mit Wasser zu einer gewissen Erfahrung einige Zeit stehen lassen und von ohngefähr bey dessen Betrachtung, mit dem Finger über die Nase desselben gefahren, so wäre solche dergestalt vom Wasser marcerirt gewesen, daß sogleich das Oberhäutlein sich von dem vordersten Theil derselben abstreifte, und an der äussersten Spietze der Nase hängend bliebe. Bey Betrachtung derjenigen Fläche des abgestreiften Oberhäutleins, welches zuvor mit der eigentlichen Haut verwachsen gewesen, wäre ein vielloses Gewirre von unzählichen kurzen Filamenten zu sehen gewesen, welches diejenigen Röhrchen waren, welche aus den Poris der Obernhauther ausgezogen worden, und auf dem Unterhäutlein stehend geblieben sind: Und als dieses abgescheelte Oberhäutchen äusserlich untersucht worden, so wären auch die schweislöcher, wie leicht zu begreiffen, viel grösser und weiter als ordentlich, zu sehen gewesen. Hat es nun seine Richtigkeit, daß die schweislöcher des Oberhäutleins (cuticulae) nichts anders als die Oefnungen derjeniaen Röhrchen sind, durch welche die überflüßige Feuchtigkeit aus unserm Leibe geschaft, werden solle, wie der unsterbliche Ruysch aus der Erfahrung ebenfalls bewiesen und Leeuwenhoecks, Malpighi und Steno Drüssen-Lehre damit gründlich widerlegte; so läßt sich nun schon leichter die Ursache begreiffen, woher diese schuppichte oder röhrichte Haut des Englischen Bauern Jungens, entstanden. Ja man wird überhaubts von der wahren strucktur unserer äussersten Haut, sich aus diesem Grunde, ganz natürliche leichte und mögliche Begriffe machen können.
Daß aber auch diese Röhrchen nicht von einerley Art sind, sondern einige derselben zugleich ein öhlichtes Weesen in sich enthalten, hat der Herr Hofrath durch verschiedene andere Wahrnehmungen entdeckt und in dem Commercio litterario angezeigt.
Uebrigens da mir von diesem hochgeneigten Gönner noch die Zusicherung gegeben worden, daß ich bey erster Gelegenheit, diese Röhrchen der schweislöcher eben auf die Art wie oben bey der Nase gedacht worden, selbsten zu untersuchen und mit dem Mikroskop zu beobachten, bekommen solle, so behalte ich mir bevor, über die Beobachtung der Menschenhaut, besonders derjenigen, welche sich nach überstandenen hitzigen auch Gliederkrankheiten selbst abzuscheelen pflegt, meinen g. L. noch eine Platte vorlegen und dasjenige dabey getreulich nachbringen zu dörfen, was ich an den Fasern und Filamenten oder Röhrchen der schweislöcher g. G. werde entdecken und beobachten können.


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