Bewie 's Mikrowelt Ein Spiegel aus dem Flügel eines Sommervogels
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Bild aus: Ledermüller, Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzungen, Tafel 81

Ein Spiegel aus dem Flügel eines Sommervogels
Ledermüller hatte ohne jeden Zweifel große Freude an der Beobachtung der Natur und er hatte auch Ehrfurcht vor der Natur. Das kommt in seinen Texten immer wieder zum Ausdruck. So auch hier, wo er ein Detail in einem Schmetterlingsflügel beschreibt – vermutlich im Hinterflügel eines Apollofalters. Wer einen Schmetterlingsflügel unter dem Stereomikroskop betrachtet, kann die Begeisterung auch heute noch gut nachvollziehen. Hier Ledermüllers Text:
Da mir vor dass Zeit ein Paar sehr schöne und nicht gemeine Sommervögel von einem Hochwürdigen Freund und Gönner aus Eychstätt, zum angenehmen Geschenke überschickt worden, deren vortreffliche Spiegelflecken unter dem Vergrösserungsglase, dem Auge eine entzückende Bewunderung verursachen, so glaubte ich, es dörfte nicht mißfällig aufgenommen werden, wenn ich meinen g.L. einen davon vorlegen würde, um abermalen damit zu beweisen, daß vielleicht Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht so prächtig und natürlich schön bekleidet gewesen, als dieser Schmetterlinge einer. Ich will hier nichts von der Veränderung derer Federn und Haare noch ihrer Gestalt und Form gedenken, so an diesem Inseckt können wahrgenommen werden, auch nicht die mannigfaltigen Farben bemerken, womit die Federn an dem ganzen Sommervogel prangen. Nur ein einiger seiner spiegel soll mir diesmalen genug seyn, die Grösse des allerweisesten Schöpfers in seinen Werken, zu seinem Lobe zu bewundern und zu zeigen.
Ich darf frey und ohne alles Bedenken versichern, daß kein Mahler, er sey so künstlich als es immer wolle, den Glanz und das Feuer der rothen Farbe, womit dieser spiegel unter andern prangt mit dem Pinsel auszudrücken vermöge. Gewiß eine auserlesene Schattirung von gelb, schwarz, roth und weiß. Und wie regelmäßig ist nicht ihre Laage geordnet! die erste Figur zeiget bey a. diesen Flecken nebst mehrern derselben, auf dem ganzen Flügel, in natürlicher Grösse, welche bey b. durch Nummer 4. unter dem Marschallischen Mikroskop vergrössert, vorgestellet habe, davon die äussersten strohgelben Federn, noch einen Theil des Flügels ausmachen, denen eine zirkelrunde Reihe schwarzer, dann ein Kreyßrother, den in der Mitte hervor schimmerden Spiegel umgeben.
Die zweyte Figur aber bemerkt bey a. das kleine von Federn entblößte stückchen Haut dieses spiegels in natürlicher Grösse, welches bey Fig. 2. vergrössert, mit einigen durchlaufenden Nerven oder (wie Swammerdamm sie nennt: Luftröhrchen) etlichen wenigen noch stehend gebliebenen Federn, und denen Löchern b, in welchen die ausgezogenen oder abgewischten Federn zuvor gesteckt waren, zu sehen ist.


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