Ein Tröpfchen Karpfenmilch
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Bild aus: Ledermüller, Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzungen, Tafel 60

Die Tafel zeigt „Ein Tröpfchen Karpfenmilch“. Ledermüller schreibt dazu:
Da mir von ohngefehr ein ansehnlicher Karpf geschenket worden, ließ ich solchen sogleich in meiner Gegenwart öffnen, nahme etwas von dessen Milch und verfügte mich damit in mein Stübchen, um solche mit dem Mikroskop zu untersuchen. Anfänglich sahe ich nichts als ein dunkles Gewühle und einige Bewegung, aber keine Körper, als ich aber mit stärkern Vergrösserungen einen frischen Tropfen beobachtete, erblickte ich Millionen lebendiger Eyförmiger Kreaturen darinnen, welche eine freywillige Bewegung zeigten. Einige Zeit darnach nahm ich diesen Versuch abermalen vor die Hand, und zwar in Gegenwart einiger guten Freunde, und wir erblickten eben diese so unbegreiflich kleinen Thierchen so deutlich, daß wir an ihrem Leben gar nicht zweiffeln konnten. Inzwischen habe ich hierbey zu bemerken nicht unterlassen wollen, daß ein Karpfenmännlein wenigstens 2. pfündig seyn solle, wenn man diese Thierchen in seiner Milch finden will.
Es ist diese Beobachtung unter die angenehmsten zu zehlen, denn man kan sogleich nach geendigter Untersuchung sich für seine Bemühung an den Tisch setzen, und den Fisch selbsten mit Vergnügen, bey einem guten Glaß Wein verzehren.
Um aber auf meine Betrachtung selbst zu kommen, so sahe ich anfänglich mit Nummer 5. 4. und 3. gar nichts. Mit Nummer 2, bemerkte ich einige Bewegung von kleinen runden hellen Körperchen. Mit Nummer 1. und 6. aber entdeckte ich erst die Thierchen selbsten und ihren freywilligen Gang. Ich will, um diesen Versuch nachmachen zu können, die kleinen Handgriffe sogleich mit anmerken, die man dabey zu beobachten hat.
Erstlich wird ein sogenannter Milchkarpf oder Milchner darzu genommen. Man öfnet denselben, wenn man ihn auf den Rücken leget, und den Bauch der Länge nach, vom Kopf bis zum Schwanze aufschneidet. Die Milch nimmt man davon heraus, sondert sie vom übrigen Eingeweide ab, giebt alles andere der Köchin in die Küche, und behält die Milch, oder so viel man davon nehmen will, auf einer saubern Schaale für sich.
Diese Karpfenmilch ist zwar mit einer zarten Membran oder Haut überzogen, welche alles wie den Rogen zusammen hält; alleine man hat nicht Ursache selbige abzuziehen. Man sticht nur mit einem ungeschnittenen Federkiel, oder auch mit dem kleinen Finger, ein Loch durch die Milch. Durch diese Oefnung rinnet auf die schaale ein weisser flüßiger saft, welches ich für das Sperma des Karpfens halte. Von diesem nimmt man etwas weniges, etwa einer Linse groß, auf den Schieber und betrachtet es durch Nummer 1. oder 0; Denn alle andere geringere Vergrösserungen, reichen, wie schon gedacht, nicht hin, diese Thierchen lebendig zu sehen. Durch Nummer o. aber wird man einen grossen lebendigen Hauffen derselben, dichte ineinander wimmlend beobachten. Und wenn man diese Masse auf dem Glase etwas flüßiger mit frischen Wasser macht, so siehet man sie einzeln aus dem Hauffen tretten und in verschiedenen zirkelförmigen, spiral, geraden, schregen und schlangenartigen Gängen, sich bewegen, wie ich sie alle hier, auf dieser 60sten Kupfertafel ringsherum um den grossen Hauffen, abgebildet habe.
Von denen Saamen-Thierchen überhaubts habe ich bereits in zweyen kleinen Schriften meine Beobachtungen bekannt gemacht, worauf ich mich beziehe. Die Historie des Karpfens aber ist besonders gefertiget worden, von Jonston, Blafius, Rondelet, Ruysch und Petit. Die Recension über die Schriften dieses letztern Gelehrten findet sich in dem Commerciolitterario, allwo ich die Fischmilch also beschrieben gefunden:
„Sie ist ein Theil des Karpfenmännleins, bestehet aus zweyen ungleichen Stücken, und diese sind die Testickeln, in welchen der saame abgesondert wird.“
Vielleicht nehme ich mir Gelegenheit, künftig noch ein mehrers von diesen Saamenthierchen g.L. nachzubringen, und verschiedene neue Einwürfe zu gleicher Zeit zu beantworten.
Hier zeigt sich bey a. ein Tropfe Karpfensaamen natürlich, bey b.aber derselbe stark durch Nummer o. vergrössert.


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