Bewie 's Mikrowelt Eine erst aus dem Ey geschloffene Wanze
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Bild aus: Ledermüller, Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzungen, Tafel 63

Eine erst aus dem Ei geschloffene Wanze ist hier zu sehen. Im zugehörigen Text gibt Ledermüller freimütig einen Fehler zu, den er bei der letzten Beschreibung einer Wanze gemacht hat:
Ich habe verschiedene Ursachen die mich bewogen, dieses Inseckt noch einmal meinen G.L. vor Augen zu legen. Einmal weil ich es bey Erklärung der LII. Kupffertafel versprochen; zweytens, weilen ich einen allda angebrachten Irrthum zu widerruffen, schuldig bin, indeme ich bey der Erklärung jener Kupfertafel angemerkt, als ob das Wanzen Männlein nur allein, das Weiblein aber keinen Saugstachel habe; Drittens aber glaubte ich, denen G.L. gleichwolen nichts gemeines oder allzubekanntes damit vorzutragen, wenn ich eine junge Wanze, mit ihrem Ey, aus welchem sie erst hervorgekrochen, in Ansehnng der unterschiedenen Farbe ihres Körpers, nebst dem Stachel und andern dazu gehörigen Beobachtungen, abbilden würde.
Ich erfülle demnach meine Zusage hiemit, und versichere nunmehro aus einer bessern Erfahrung, daß beyde Wanzen Geschlechte, einen Stachel führen, der nur von darum sehr schwer zu entdecken ist, weilen der selbe beständig auf der Brust ruht, und die Wanze auf den Rücken liegen muß, wenn man solchen sehen will, wie ich denn selbst vielmals denselben, für einen Theil des Fusses bey den ersten Anblick gehalten habe.
Es ist daher gewiß ein Meisterstück der Gedult, und es gehöret ein recht gutes Gesicht, und ein paar stete Hände dazu, wenn man diesen mit unbewaffneten Augen gar nicht sichtbaren Theil abschneiden will, um solchen besonders in einen schieber legen und untersuchen zu können.
Gegenwärtige Abzeichnung ist nach einer Wanze genommen, welche 3 stunden zuvor aus ihrem Ey gekrochen ware. Unter einer guten Anzahl alter und Junger Wanzen, die mir ein mit diesem Haußübeln hart geplagter Mann in einem Glaß zugeschickt, war auch zu gutem Glück ein ganzes Nest mit Wanzeneyern von mir entdeckt worden. Ich legte dasselbe sogleich unter das Oeconomieglaß, und sahe, daß es aus sehr kleinen Stroh- und Federtheilchen, bestunde, zwischen denen die kleinen weißen Eyer gleichsam verwahret lagen.
Des andern Tags, als ich wiederum darnach gesehen, bemerkte ich in diesem Eyernest eine kleine Bewegung, und bey genauer Betrachtung sahe ich ein Ey, das sich oben öfnete, und einen runden Deckel hinter sich liegend hatte, gleichwie eine liegende Weinkanne, deren Deckel offen ist. sobald ich diesen Deckel an der spitze des Eyes sich öfnen sahe, entdeckte ich auch alsobald einen kleinen weißen Punkt, der sich bewegte und aus diesem säckchen heraus wühlte, anstatt ich einen braunen Wurm vermuthete.
Einige Minuten hernach, entwickelte sich dieser Punkt streckte einen Kopf und Füße hervor, und bewegte sich endlich so geschwinde als die allergrößte Wanze. Die weiße Farbe behält dieses kleine Thier nicht lange; ohngefehr 2. bis 3. Tage, dann wird es nach und nach gelb und endlich braun wie die Alten.
Die Art wie sie sich befruchten oder begatten, habe ich nicht entdecken können, ihre Geschlechtszeichen aber sind leicht zu unterscheiden.
Sonst ist es für Liebhabere eine leichte sache junge Wanzen zu bekommen, wenn man anderst dergleichen haben will. Man darf nur ein halb duzend alte Wanzen unter ein Occonomieglas bringen, selbige ein par Tage darunter lassen, und dann nachsehen, so wird man auf dem Boden viele kleine silberweiße Punkten finden, welche sackförmig und die Eyer der Wanzen sind, auch in 4. bis 5. Tagen auskriechen.
Erklärung der Kupfertafel.
a. Ist diese junge Wanze in natürlicher Größe.
b. Eben dieselbe durch Nummer 5. vergrössert, woran
c. die Zangengebiß. d. Der gleich daran gefügte in drey Gliedern bestehen de und auf der Brust liegende Stachel.
e. Die zwey so wie fast an den Krebsen hervorragenden traubenförmigen Augen.
f. Die zwey Fühlhörner, mit ihren 4. Gelenken.
g. Die 6. Füsse, deren jeder ebenfalls 4. Gelenke hat, und sämtlich auf beeden seiten der Brust beysammen stehen.
h. Das Nest mit Wanzen Eyern; etwas über die natürliche Größe. i. Ein solch Ey in natürlicher Gestalt.
k. Dasselbe stark vergrössert, mit denen daran klebenden Unreinigkeiten.
l. Das weibliche Glied, oder der unterste Theil des Wanzen Körpers.
m. Das männliche Zeugungsglied oder der hinterste Theil einer männlichen Wanze, beede an alten Wanzen beobachtet, und durch Nummer 3. vergrössert.
n. Der Stachel nach seiner wahren Größe.
o. Derselbe durch Num. 1. beobachtet, wodurch die zwey durchlauffenden Saugröhrchen, nebst denen vielen Haaren, womit er besetzt ist, zu erkennen sind.


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