Bewie 's Mikrowelt Einige mikroskopische Theile an dem Koffee
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Bild aus: Ledermüller, Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzungen, Tafel 97

Einige mikroskopische Theile an dem Koffee
Sollte es denn meinen g. L. auch wohl unangenehm fallen, wann ich noch vor dem gänzlichen Schlusse dieses Werkgens Ihnen mit Koffee geziemend aufwarte? Und sollte nicht etwa manchem Leser ein kleiner Gefallen damit geschehen, wenn er dadurch erfähret, wie die Frucht seye, von welcher ein so beliebter Trank zubereitet wird? Doch will ich aber auch nicht hoffen, daß ich dadurch jemanden Gelegenheit sollte gegeben haben, diesen Necktar zu verachten, gleichwie jene artige Bethschwester anfänglich thun wollte, als ich Ihr erzählte, wo der Koffee wachse. Ey liebster Herr Vetter, fragte sie mich ganz erschrocken, bey den schwarzen Leuten; Das sind ja Türken, welche die weissen Menschen fressen? Ey behüte mich Gott! Daß ich keinen Koffee mehr trinke. Ich will mir lieber Gersten und Mandeln unter einander brennen, so weis ich doch, daß ich einen Christenkoffee genüsse. Alleine unter uns gesagt, es gieng ihr, wie jener lieben Frauen, die bey ihrer Niederkunft durchaus die Hosen ihres Mannes aus der stuben haben wollte, nach dem erfreulichen Anblick eines lieben Söhngens aber, sich sogleich anderst besonnen, und der Magd, welche ihren Befehl so eben zu befolgen suchte, zugeruffen: Last sie nur jetzo hangen. Auf unsern Koffee aber zu kommen, so thun wir demselben gewissermassen Unrecht, wenn wir solchen Bohnen nennen. Er hat nichts davon als die kleine Aehnlichkeit; denn auch dessen innerliches Weesen ist gar sehr, wie ich besser unten zeigen werde, von der Beschaffenheit der Bohnen unterschieden.
Wir haben nun in vielen ansehnlichen Gärten Deutschlands Koffeebäume oder besser zu sagen Koffeestauden genug; und nur allein in denen vortrefflichen Gärten sr. Hochfürstl. Durchlaucht des regierenden Herrn Marggrafens zu Bayreuth, befinden sich sehr ansehnliche Koffeebäume, von welchen auch dieser nach der Natur abgebildete Zweig wiewohl noch ohne Blüthe , mir gnädigst zugeschickt worden. An dieser Zeichnung wird sich nun deutlich Blüth, Frucht und Blätter zugleich, als eine besondere Eigenschaft des Koffees zeigen. Denn die Koffeestaude grünet nicht alleine das ganze Jahr Sommer und Winter hindurch (wiewohlen bey uns in Glashäusern) in Arabien, Persien, Indien etc. aber auf freyen Felde, sondern sie trägt auch beständig Frucht und Blüthe zugleich an ihren Zweigen. Sonsten war dieser Baum nur in dem Königreich Pemen des glückseeligen Arabiens, sonderlich um Mecha bekannt, heut zu Tage aber bringt man uns solchen auch aus Batavia, Martinique, Dominico, Bourbon und andern Inseln und Orten her, woselbsten solcher auf freyen Feldern, als eine staude oder Baum wächset, dessen Stamm auf 4o. bey uns aber kaum bis 6. Schuh in die Höhe steigt. Seine Dicke begreift auswärts etwa 5. Zoll im Durchschnitt, in unsern Gärten aber keine zwey. Dieser stamm ist bis oben an dessen spitze mit Nebenzweigen versehen, welche zu beeden Seiten gegen einander über, Kreutzförmig aussprossen. Die Blätter haben viele Gleichheit mit dem Lorbeerbaum und stehen ebenfalls einzeln gegen einander über; zwischen diesen zweien Blättern aber kommt die Blüthe hervor, welche weiß ist, dem Jasmin ähnlich siehet, fünf Stamina oder Staubgefässe mit ihren Pistill und einen sehr angenehmen und süssen Geruch hat. Die daraus entstehende Frucht siehet denen spanischen Herzkirschen gleich, und ist das Fleisch derselben von einem ganz besonders anmuthigen Geschmack. Eröffnet man aber eine solche Koffeekirsche, so finden sich endlich darinnen zwey Kerne, welche wir die Koffeebohnen nennen.
In Arabien und andern ausländischen Gegenden, bleibt die Frucht so lange an dem Baum hangen, bis sie selbsten aufspringt.
Die Arabischen Landleute sammlen hernach die ausgefallenen Kerne oder Koffeesaamen, und liefern solche auf Cameelen in die Städte. Einige haben versichern wollen, daß jährlich über 25000. Säcke, jeglicher zu 3oo. Pfund schwehr, nur im Lande verkauft, und doch noch über 1000. säcke mit denen Caravanen nach Aleppo, Damasco und andere Handelsplätze, verschickt werden; wovon der Türkische Kaiser über eine Million Gulden für den Zoll einziehet. Sein Name ist verschieden, indeme diese Frucht bey denen Arabern Bon oder Ban, Bunna und Bunchos, von den Aegyptiern Caova, in Engelland Coffe trée, anderwärts aber und bey uns Coffea Coffy und Coffé genennet wird. Ich überlasse meinen g.L. zu einem kleinen Zeitvertreib, die Summen selbsten zu berechnen, welche für diese Frucht an baaren Gelde aus Deutschland nur alleine geschleppet werden, da der Koffee heut zu Tage so beliebt ist, daß nun auch der allerärmste Bettler, statt der Suppe, sich einen Hafen mit Koffee zu seinem Strohfeuer setzt; und unsere Bäuerinnen auf dem grünen Marke, trinken solchen eben so gut als der ansehnlichste Bürger. Wenn nur nicht so manches weiche Bett sich darüber in eine harte Ofenbank oder zerrissene Strohmatte verwandelte. Eine entsetzliche Würkung, und gleichwolen versetzte erst gestern noch eine arme Wollen Spinnerin ihr noch einig gutes Hembde bey ihrer Nachbarin, um sich eine Koffeemahlzeit dafür zurecht machen zu können. Welch rasende Lust und erschreckliche Begierde ! Doch es sind diese elenden Folgen viel zu bekannt, als daß ich mich länger dabey aufhalten sollte. Ich eile vielmehr zur Erklärung dieser
XCVIIten Kupfertafel, wo
a. der holzichte Theil des Zweigs;
b. die grünen Sprossen desselben;
c. die Blätter mit ihren Ribben;
D. die zwischen denen beeden Blättern hervorkommende neue Zweige;
d. die Knospen und Blumen der Blüthe;
e. eine etwas grösser als natürlich abgezeichnete Blume;
f. eben dergleichen, aber geöfnet, um die auf denen 5. Blättern stehende 5. Staubfäden, mit ihren Staubbeuteln, sehend zu machen;
ff. ein einiges von den 5. Blättern, welches zeigt, wie der Staubfaden und an welchen Ort, nemlich rings um den Schooß der Blume, aufgepflanzt stehe;
g. der Pistill oder Stylus, auf welchem die zwey Gabelförmigen krummgebogenen Stigmata oder Wärzgen, unten aber
der Eyerstock h. befindlich ist.
Den Pistill g. nebst dem Frucht behältnüs h. umschlüßt die lange cylindrische Röhre des Blumenbechers und diese stehet unten in einem kleinen grünen Becher mit vier Cronenspitzen h.
Die Pfriemenförmigen Staubfäden sind kürzer als die darauf schwebende Staubbeutelchen, welche anfänglich blaßgelb nachhero aber grau sehen. Die 5. Blätter sind bis an die Röhre eingeschnitten, krümmen sich unter sich, und sind Schnee weiß und von einem süssen und angenehmen Geruch als der Jesmin selbst.
Das Germen oder der Eyerstock h. wird nach und nach immer grösser mit seinen zwey auch zuweilen wiewohlen sehr selten, drey Embrionen, woraus hernach die Koffeebohnen werden. Anfänglich ist seine Farb grün und oben und unten platt gedruckt wie eine Pomeranze; wann aber diese Früchte anfangen reif zu werden, gewinnen sie eine hellrothe i. eine dunkelrothe k. und zuletzt eine schwarzrothe Farke 1. da sie überzeitig sind selbsten aufspringen und wohl selbsten ihre Saamenkerne, den Koffee, aus fallen lassen.
Je reifer diese Kirschenähnliche Früchte werden, je mehr Runzeln be kommen sie, und zu beeden Seiten siehet man vom Stiel an, einen perpendikularen vertieften Furchenstrich, der von dem innern Zwischenraum der beeden Saamenkerne entstehet.
Die äussere Haut ist sehr zart, das darunterliegende, gelbe, weiche und dünne Fleisch, bis zum Eckel süsse und mit vielen Fiebern durchwachsen. Wird eine solche Kirsche geöfnet, so zeigen sich zwey Saamenkerne darinnen, welche mit einer zarten gelben Haut überzogen sind. Tit. Herr Hofrath Trew hat selbsten drey solcher Bohnen, in einer Kirsche gefunden. Ihre Laage in der Kirsche selbst, zeigt sich hier auf zweierley Art bey G. und M. Nimmt man sie heraus, so siehet man diese kostbaren Kerne, die wir die Koffeebohnen nennen und eine Eliptisch hemisphärische Gestalt haben, wovon bey lI. und m, ein paar zu sehen sind. Eine jede aber von diesen Kernen und Bohnen, ohngeachtet deren zwey in einer Kirsche liegen, hat doch seinen eigenen Keim, der unten am Rucken der Bohne, gleich am Spalt n. liegt; wie das Sternchen bemerket. Legt man eine Bohne etliche Stunde in laulicht auch frisches Wasser, so dringt dieser Keim o. selbst hervor und wird etwas hinten vom Rucken abgeschnitten, so siehet man ihn auch deutlich liegen p. Gleiches kan beobachtet werden, wann die Bohne q. quer durchschnitten wird, wo alsdann im obern und untern halben Theil, etwas von dem mit entzwey getheilten Keim * zu sehen seyn wird, r. s. t. und v. zeiget, daß die Koffeebohnen nicht zwey abgesonderte Kerne ineinander geschlossen haben, wie Leeuwenhoeck gemeldet, sondern nur in der Mitte gleichsam ein hartes Mark enthalte, welches zwar in einer braunen Haut ein geschlossen ist, hingegen aber mit dem äussern Kern, sich doch zuletzt in einem Schnecken- oder Wendelgang verbinde. x. Ist endlich der Keim des Koffeekerns natürlich, der auf nachstehender
XCVIIIten Kupfertafel
Fig. b. durch Numer 1. englisch Glas vergrössert und bey a. natürlich abgebildet worden.

Leeuwenhoeck, zu dessen Zeiten der Koffee noch ein sehr unbekanntes Gewächse ware, weilen er nicht einmal gewiß wußte, ob es ein Erdengewächse seye, hat mir zu dieser Beobachtung Anlaß gegeben. Ich fande in seinen Briefen eine Zeichnung und Beschreibung davon. Alleine meine Wahrnehmungen wollten in Ansehung des Keimes nicht mit seiner Zeichnung übereinstimmen. Er bildete denselben mit 3. Blättern ab, ich aber sahe ihn allemal nur mit zweyen und einem dieses paar Blätter einfassenden Band. Leeuwenhoeck hat auch auf der Spitze der Blätter die hier mit Sternen bemerkte Blumenfiguren gesehen, davon ist mir ebenfalls nichts vor das Auge gekommen. Wiewohlen er dabey bemerket, daß er auch diese Figuren bey andern Objekten zuweilen gesehen. Vielleicht waren sie dem Staub oder dem faulen Wasser zuzuschreiben, weil er meldet, daß er den Koffee lange im Wasser liegen lassen. so hat auch Leeuwenhoeck die Saftkügelein nicht angezeigt, welche zu Millionen den ganzen Keim ausfüllen, und hier mit einigen durch die Blätter lauffenden Ribben, von mir nach Möglichkeit angezeigt worden; Und wundert mich, daß er gleichfalls das braune Häutchen nicht mit beobachten und vorstellen mögen, welches den innersten Theil des Keims umhüllet.
Ich habe oben gesagt, daß sich der Koffee, besonders nach seiner innerlichen Substanz, von denen Bohnen unterscheide. Leeuwenhoeck hat dieses untersucht, und mich gereizt, seine Versuche nachzumachen. Sie sind, so viel ich gefunden, sehr deutlich und richtig von ihme gemacht worden, und ich will meinen g.L. zu beurtheilen überlassen, ob ich ihme ähnlich gekommen. Ich zerschnitte ebenfalls einen Koffeekern und nahm mit einer scharfen Lanzette, das sehr dünne Quertheilchen c. davon herab; An statt nun die Bohnen aus kleinen meelichten und kugelähnlichen Körpern bestehen, so ist hingegen die Strucktur des Koffeekerns nezförmig d. und kommt dem Meerschwamm gleich, dessen Zwischenräume mit öhlichten Theilchen s. fig. K. zum Theil ausgefüllet sind.
Leeuwenhoeck versichert, daß er diese Substanz sonst nirgends als in offe palmae gefunden. Ich habe verschiedene Röhrchen auch im Bogen durchlauffen sehen, e. e. e. é. ob sie aber hol sind? will ich nicht bestimmen, weil ich nichts gewisses deswegen daran entdecken können. Das Oehl aber siehet und fühlet man nur gar zu deutlich, das in diesen zwischen dem Geflechte zu sehenden Räumchen, befindlich ist, und daher kommt es auch, daß man diesen Kern nicht ehender in Meel verwandeln kan, als bis ihme durch das Feuer sein öhlichtes Weesen genommen und die ästigen Theile trockner und dürrer, folglich zum Zerreiben geschickter gemacht worden.
Da nun auch der Koffeekern innerlich noch ein braunes Häutgen f. hat, welches das Mark der Bohne, wenn ich mich also ausdrucken darf verwahret, und Leeuwenhoeck gar nicht einmal berühren mögen, so habe ich dasselbe einer genauen Betrachtung um so würdiger gehalten, je weniger dasselbe noch zur Zeit durch das Vergrösserungsglas abgebildet worden. Es umschlüßt die ganze Mitte des Kerns, und man siehet es schon aus dem langen Spalt oder perpendikularen Schnitt, der sich durch die Mitte der ganzen Bohne oder des Kerns, an allen Koffee findet, als braune Fasern hervordringen. schneidet man aber ein dünnes scheibchen von einer eingeweichten Koffeebohne ab, so wird man allemal ein kleines Theilchen von dieser Haut c. mit abschneiden, welches im Vergrösserungsglas wie ein braunes Band f. siehet.
Von diesem nahm ich etwas sehr weniges, dessen Grösse g. vorstellet, und als ich es durch Numer 1. Englischglas betrachtet hatte, fande ich es mit unzähligen Schuppen h. bedeckt, welche an beeden Enden auf das spitzigste zuliefen, und von denen eine besonders bey i. zu sehen. Die darinnen befindlichen Pünktgen stellen entweder Saftkügelein oder Dunstlöchlein vor, welches letztere ich ehender vermuthe, weilen das Häutgen sehr trocken und dürre ware, als ich es im Mikroskop untersucht hatte.
Ich komme nun auch auf eine Wahrnehmung des Leeuwenhoecks, die ebenfalls einer Erläuterung bedarf. Er gibt vor, Koffeekern bestehe aus zwey wohl unterschiedenen Kernen, so wie z. B. die Mandeln, Haselnüsse und andere solche Früchte. Alleine dieses ist ein Irrthum, wann er die gemeinen Koffeekerne darunter verstehet, und nicht vielmehr die ganze Frucht, in ihrer fleischlichten Hülle meynet; als in welcher gar oft drey solche Kerne, wie schon gedacht, gefunden werden. Man darf nur einen Koffeekern in der Mitte, wo der schnitt oder Spalt ist, gemächlich umbiegen, welches am leichtesten geschiehet, wenn zuvor die Bohnen einige Stunden im Wasser gelegen, so wird man finden, daß zwar in der Mitte ein etwas vesterer Theil mit einem braunen Häutgen liege, der aber in einem ununterbrochenen Wendel oder schneckengang fortläuft, und sich mit der übrigen schaale des Kerns verbinde, folglich nicht im allermindesten abgesondert seye, wie ein Nuß- oder Mandelkern, also auch keinen besondern Kern ausmachet.
Will man aber den Keim am leichtesten bekommen, so dörfen nur einige der schönsten und grösten Kerne (ich habe die von Bourbonischen Koffee am besten befunden) in einer Theeschaale mit frischem Wasser so lange gelassen werden, bis sich unten auf dem Rucken der Bohne, ein weisser Punkt zeigt, oder, wie es gar oft geschieht, der Keim selbst herausfällt und in der schaale herumschwimmt. Will man ihn aber liegen sehen, so thut ein scharfes Federmesser hierzu seine Dienste, mit welchem der Rücken der Bohne so lange abzuschneiden, bis der Keim sich sehen lässet. Eine umständlichere und ausführliche Nachricht und Abbildung der Koffeefrucht und Blüthe, findet sich in dem letzten Band des Commercii litterarii d. a. 174. Tab III. und IV. Seite 417. von Tit. Herrn Hofrath Trew beschrieben, ingleichen bey Boerhave, Jussieu auch im Blackwellischen Kräuterbuch und in andern vielen gelehrten Schriften mehr, wohin ich meine g.L. Kürze wegen verwiesen haben will, wann sie mehrers davon zu wissen verlangen wollten.


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