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Ledermüllers Ergänzungen, VIII. Brief

VIII. Brief.

Wozu ich Ihnen ohnlängst Hoffnung gemacht habe, das kan ich nun zu Ihren und meinen Vergnügen erfüllen. Des hiesig Hochfürstl. Herrn Geheimden Raths und Reißoberstallmeisters, Freyherrn von Gleichens, genannt Rußwurms, Excellenz, waren so gnädig, mir Dero neu erfundenes Universal Mikroskop, nebst einer ungemein feinen Abbildung des weisen Kornwurms, wie auch eines besondern vom Meelthau erzeugten Schimmels, von Bonnland aus, anhero zu schicken, mit der grosmüthigen Erlaubniß, dasselbe auch andern Gönnern und Freunden des Mikroskopischen Vergnügens, bekannt zu machen, und in getreuen Abzeichnungen mitzutheilen. Wie erfreut bin ich, daß ich Ihnen von diesem vollkommenen Instrument eine Abschilderung zu verschaffen im Stande bin, welches man mit allem Rechte ein Universale benennen kan! dann es läßt sich so wohl zu opaken, oder undurchsichtigen, als zu flüßigen und durchsichtigen Objekten, wie auch besonders zu Anatomischen Beobachtungen, sehr vortheilhaft gebrauchen. Hier haben Sie die eigene und ungemein gnädige Zuschrift dieses so edelgesinnten Menschenfreundes.
So unerwartet mir die Nachricht von Ew. ec. Uebelbefinden gewesen, so theilnehmend hat mich selbige betrübet. Wolten doch dergleichen traurige und leidensvolle Umstände nur solche Menschen treffen, die nur darum in der Welt zu seyn scheinen, um der Eitelkeit und Faulheit zu frohnen, der Philosophie und allen andern schönen nüzlichen und angenehmen Wissenschafften aber von Herzen feind sind. Dieses und daß Sie Sich gegenwärtig wiederum bey vollkommenen Wohlseyn befinden mögen, wünsche ich so aufrichtig, als man nur etwas wünschen kan. Die illuminirte Zeichnung meines Universal Mikroskops, nebst zugehöriger Beschreibung, werden Sie anbey erhalten. Als eine Probe, was mit diesem Instrument zu machen ist, lege ich hier die Abbildung und Beschreibung des weisen Kornwurms bey. Wollen Sie in Ihren Nachleesen Gebrauch davon machen, soll es mir angenehm seyn. Um die Nachleesen aber ersuche Dieselben, so bald sie heraus, sind, mir ein oder zwey Exemplare davon sogleich zu überschicken, indeme ich dieser Arbeit mit Verlangen entgegen sehe. Ich bin seit meiner Zurückkunfft von Bayreuth auch nicht müßig gewesen, und ich kan mit meinen jetzigen Arbeiten besser zufrieden seyn, als rnit denen, die Sie in Erlang von mir gesehen haben, nachdeme ich mit allem benöthigten, durch Ihre gefällige Vorsorge, bestens versehen worden bin.
,Von den gedoppelten Wachsthunstrieben des Keims, werde ich ein und andere, wie ich glaube, neue Entdeckungen machen
Ein ganz neuer Naturforscher, Herr D. Köhlreuter, der lezthin aus Petersburg zu Ihnen nach Bayreuth gekommen, und die Hochfürstl. Naturalien Kammern besehen, hat nach seiner kleinen Schrift, erstaunlich viele Häute, Netze und Oefnungen an dem Blumenstaub, den Er so gar von verschiedenen Blumen gezehlet haben will, gesehen, die mir, und ich glaube, auch andern, ganz was neues sind. Ich habe aber sowol hierauf, als auch auf seine widernatürliche Lehre von der Reife dieses Staubs, in dem Abschnitte der hievon handelt, bereits geantwortet.
Mein Mikroskop habe ich jetzo noch mit einer Lampe, nach Hoockischer Art, verbessert, wodurch ich es des Nachts noch bequemer, als am Tage, gebrauchen kan. Nechstens wird ein solches Mikroskop für Sr. Hochfürstl. Durchlaucht den Herrn Markgrafen, zu Stande kommen, womit es darum so langsam hergehet, weil es auf dem Lande an allem fehlet, was man hierzu nöthig hat, und das meiste erst von Nürnberg hat verschrieben werden müssen. Ich ersuche Ew. rc. dieses Serenissima gelegenheitlich und unterthänigst zu versichern.
Im 34sten Stücke der Fränkischen Sammlungen habe ich gefunden, daß Herr Rath P.. die Infußionsthierchen noch immer nicht glauben will. Ew. rc. könnten wohl ein gutes Werk thun, wann sie demselben anrathen wollen, selbst mit Seinen Augen zu sehen, was Er mit seinen Schlüssen bestreitet.
Vergeben Sie meiner Weitläuftigkeit, und versichern Sich von mir ec. ec
von Gleichen genannt Rußwurm

XI. Tafel. Beschreibung der Theile eines neuerfundenen Universal-Mikroskops.

Titel der Tafel: Beschreibung der Theile eines neuerfundenen Universal-Mikroskops Das Gerät war modular aufgebaut und konnte flexibel auf die jeweiligen Bedürfnisse ausgerichtet werden.
Bild aus: Der Mikroskopischen Gemüths- und Augenergötzung Drittes Fünfzig

Der meßinqe Zirkel fig. I. bestehet aus einem langen, und einem abgekürzten Fuss. An dem Ende des erstern ist ein Schraubengewind A; bey B. aber eine gekrümte, sehr feine Schraube bevestiget. Diese gehet bey C. durch den kurzen Fuß, und zwischen diesen beyden Füssen ist die stählerne Feder D. bey E. angenietet, welche beede Füsse voneinander treibet, wann die Schraubenmutter F. rückwärts gedrehet wird.
Weil aber die Feder, wenn das Mikroskop zu anatomischen Beobachtungen gebraucht werden soll, zu schwach ist, beede Füße von einander zu halten, und also leicht eine Verrückung geschehen kan; so lauft um dieses zu vermeiden, an der Schraube B. eine kleine Scheibe G. welche, wenn das Mikroskop durch die Schraubenmutter F. gehörig gestellet worden, an dem kurzen Fuß bey C. zu stehen komt, damit solcher zwischen dieser Scheibe und der Schraubenmutter eingeschraubt und bevestiget werde.
An diesem kurzen Fuße ist ein Loch H. mit einem Schraubengewinde, und bey I. eine vierseitige Vertiefung, wie bey denjenigen Zirkeln, wo die stählernen Füße eingesetzet werden. Der Kopf des Zirkels passet genau zwischen die Zwinge K. durch welche die stählerne Schraube L. gehet, mit welcher der Zirkel, wann er bey anatomischen Betrachtungen aufrecht stehet, dergestalt vest gestellet wird, daß er nicht wanken kan.
Das untere Theil dieser Zwinge ist eine starke Schraube M. mit welcher der Zirkel durch das meßinge Blech und das Holz, auf dem zugespizten Deckel des Kästchens geschraubt wird.
Die Nuß N. wird in das Loch H. gebracht, wenn man die Feder O. oder den Stift K. gebrauchet, wie Tab. XII. Fig. 3. bey Q. zu sehen ist.
Hat man aber flüssige und durchsichtige Dinge vor sich, und also hierzu Den Schieber R. nöthig; so wird das Instrument S. mit dem Zapfen T. in das viereckichte Loch I. gestecket, und mit der Schraube V. in H. bevestiget.
Das Instrument S. bestehet aus drey in der Mitte durchbrochenen Platten, von deren die untere bey W. gebogen ist, damit eine gläserne Röhre auch dadurch gestecket werden kan.
Zwischen die zwey geraden Platten aber, wird der Schieber K. geschoben. Durch diese drey Platten gehen an den vier Ecken stählerne Stifte X. die mit Spiralfedern von Drat umwunden sind, welche die Platten zusammen drucken, um dasjenige vest zu halten, was zwischen ihnen eingeschoben worden ist.
Das kleine Tischlein Y. bestehet aus einem runden Stückchen Elfenbein, dessen eine Seite weis, und die andere schwarz ist, und welches durch zwey kleine Schrauben zwischen denen beeden messingen Armen gehalten wird, daß es gar leicht umgewendet, und die untere Seite nach Belieben in die Höhe gerichtet werden kan.
Unten ist ein stählerner Stift Z. eingeschraubt, welcher bey dem Gebrauch mit seiner vordern Schraube, in den Steft PP. eingeschraubt wird.
Will man große Objekte beobachten; so bedienet man sich auf gleiche Art des größern Tischgens a. welches gedrehet werden kan, um die weise, oder schwarze Seite oben zu haben.
Der Steft b. dieses Tischgens muß darum gekrümmet seyn, damit solches bey dem Gebrauch allezeit Waagrecht bleibt; welches aber nicht seyn könnte, wann er gerade wäre.
Wenn man in der Geschwindigkeit mit geringen Vergrößerungen, und ohne den silbernen Spiegel, oder des Nachts bey einer Lampe, hinter einer mit Wasser gefüllten Glaskugel; flüßige Sachen auf den Schieber R. beobachten will; so schraubet man den Ring c. an die Schraube des langen Zirkelfußes A. dieser Ring hat ein Gewinde, in welches die Schraube des hörnenen Hütgens d., deren gemeiniglich bey einem vollkommenen Mikroskop fünf bis sechs Stücke, nehmlich von Numer 5. bis oo. sind, genau passet.
Bey dunkeln Körpern bedienet man sich zweyer Spiegel, nehmlich des gemeinen gläßernen e. Tab. XII., den man auch gar gut zu flüssigen Sachen gebrauchen kan, und eines holen silbernen Spiegels, wie solcher bey f. von aussen vorgestellet ist. Auf diesem silbernen Spiegel ist ein meßinger Ring bevestiget, der inwendig ein Schraubengewind g. hat, um das hörnerne Hütgen d. hineinzuschrauben. Zur Seite in der Mitte dieses Rings, gehet noch ein anderes Schraubengewinde gg. von aussen hinein, wodurch der silberne Spiegel samt dem hörnernen Lentillenhütgen an die Schraube A. des langen Zirkelfußes, angeschraubet wird, wie Tab. XII. die Fig. 2. mit mehreren zu erkennen geben wird.
In der Mitte des Spiegels ist eine Oefnung, welche nicht größer ist, als daß etwa die Glaslinse Numer 5. durchgehen kan.
Der Durchschnitt des Spiegels h. über welchem die Linse in ihrem Hütgen d. stehet, wird dieses begreiflicher machen.
Das untere Theil des Hütgens, *. oder die Bedeckung der Vergrößerungslinse, muß deswegen etwas lange seyn, damit der Fokus desto bester auf das Objekt geworfen werden kan; welches aber, ohne einen noch kleinern Holspiegel vom Silber zu gebrauchen, nicht möglich seyn würde, wenn dieser Theil des Hütgens zu kurz wäre.
Die Gewinde des meßingen Ringes auf den silbernen Holspiegel, müssen mit der hörnenen Schraube des Hütgens genau übereintreffen, damit der unterste Theil, oder der Boden der Schraube auf dem silbernen Spiegel aufliege.
Weil man das Objekt bey dem Gebrauch des silbernen Spiegels, zumal mit der Feder O., nicht nahe genug anbringen kan; so muß man den krummen Arm i., in welchem bey k. ein Schraubengewinde ist, in dem kurzen Zirkelfuß, wie das Instrument S., bevestigen, und hernach in k. die Nuß N. einschrauben, um in der Hülse I. die Feder O., oder den Steft P. einstecken zu können, wie in der 3. Figur bey I. Tab. XII. zu sehen ist.
Bey geringen Vergrößerungen aber, ist der krumme Arm nicht nöthig; sondern es wird nur die Nuß in das Loch H. geschraubt.
Ein gleiches geschiehet auch bey den Gebrauch des kleinen Tischgens Y. welches eigentlich allein mit dem stlbernen Spiegel zugleich gebraucht wird.
Bey der Beobachtung dunkler Körper, wird eigentlich auf folgende Weile verfahren,
1) wird die Nuß N. entweder mit dem kurzen Arm i. oder ohne denselben, an den kurzen Zirkelfuß angeschraubet, und das Objekt im ersten Fall, mit der Feder O. angefaßt, oder im andern Fall auf das Tischgen Y. geleget.
2) wird der gläßerne Spiegel e. Tab. XII. unter dem bey A. angeschraubten silbernen Spiegel f. gestellet, und die Feder O., oder das Tischgen Y. mit der linken Hand so gerichtet, daß es gerade unter die Oefnung des silbernen Spiegels zu stehen kommt, und alsdann rucket man das Gestell des gläßernen Spiegels so lange herum, bis man das Objekt auch von unten und oben vollkommen erleuchtet siehet.
Endlich schraubet man
3) die Lentille mit ihrem Hütchen ein, legt die linke Hand auf das Kästchen, und schraubet mit der rechten die Schrauben-Mutter F. so lange ab, oder zu, bis man das alsdann zum Erstaunen erleuchtete Objekt, deutlich und im vollem Lichte erblicket, als welches allemal so wohl bey der geringsten, als stärksten Vergrößerung erfolget.
Der Helle Himmel ist hierzu schon genug, und bey Nacht ein einiges Licht.
Bey allen diesen Beobachtungen, liegt der Zirkel Waagrecht auf der in das Meßingblech zu oberst auf dem Kästchen eingeschraubten Unterlaage, m.
Wann eine Anatomische Beobachtung als z.B. des Gekröses vom Frosche, des Kreislaufs der Säfte in dem Schwanz eines kleinen Fische ec. ec. angestellet werden soll; so wird der Zirkel, wie oben gedacht worden ist, aufrecht wie Tab. XII. zeiget, vermittelst der Zwinge o. in die Höhe gerichtet, der Frosch oder Fisch aber, auf das zu unterst im Deckel des Kästchens eingeschobene dinne Bret n. Tab. XII. gebunden, in welchem kleinen Bret 4. Löcher angebracht sind, um die Beine des Frosches mit Zwecken darauf zu bevestigen. Das Gekröse selbst wird über das große Loch das mit einem Stern bemerkt ist gezogen, und mit starken Stecknadeln herum aufgehäftet.
Hierauf wird das Bretchen in die Zwinge o. gesteckt, und mit der stählernen Schraube p., weswegen einige Löcher in das Bretchen gebohret werden müssen, um solches hoch oder niedrig, rechts oder links rucken zu können, bevestiget, und dann der Zapfe Figur ▲ an der Zwinge o. in das Loch des kurzen Zirkelschenkels I. gesteckt, und ebenfals mit einer Schraube V. in H. vest eingeschraubet.
Auf dem langen Zirkelfuße wird ferner der Ring c. mit seiner Lentille angeschraubt, und mit Hülffe der Schrauben-Mutter F. der Fokus gesuchet; endlich aber, damit sich nichts verrücke, und man das ganze Mikroskop hintragen kan wohin man will, mit der Scheibe G. der kurze Zirkelfuß an die Schrauben-Mutter F. vest angedruckt und gestellet.
Man kan auch einen Maasstab, wie ich hier einen Pariserzoll Fig. ▼. z.B. angezeigt habe, auf ein meßinge Plätchen stechen lassen, und zur Ausmessung der Objekten und deren Vergrößerung, in dem Kästchen mit anbringen. Ferner finden Sie auf der
XII. Tafel Das Kästchen.

Titel der Tafel: Das Kästchen. Hier sehen wir zwei Konstellationen des Universalmikroskops, beide montiert auf praktischen Zubehörkästchen.
Bild aus: Der Mikroskopischen Gemüths- und Augenergötzung Drittes Fünfzig

Dieses bestehet aus fünf Haupttheilen. Erstlich zeiget sich der pyramidenförmige Deckel q. der auch an den Seiten ausgeschweist seyn kan. Anderns findet man das Anatomische Bretchen r., welches zugleich den Boden zu den holen Deckel abgiebt, wenn es eingeschoben ist, damit die unten im Kästchen liegende Stücke bey ohngefehrer Verwendung des Kästchens nicht in den Deckel fallen können. Drittens kommt das viereckichte Kästchen selbsten. In diesem ist oben ein Bret von Lindenholze eingeleimt, welches mit rothem Sammt oder Leder überzogen werden kan s., wenn vorher die Lagen, oder Fächer, für den Zirkel und das übrige Geräthe hineingeschnitten worden ist, um solche hier vest einlegen zu können.
Unter diesem Lager ist vierdens eine zweyte Schublade ff. worein die Lentillen mit ihren Hütlein, der silberne Spiegel, die Zwingen, die Schieber ec. ebenfalls eingeschnitten und eingelegt werden können. Endlich folget fünftens die dritte Schublade t. In dieser werden der gläserne Spiegel, e. den man von seinem Steft und Fuß abschrauben kan, und andere Nothwendigkeiten, als Pensel, ein Gläschen mit Weingeist, um die Gläser zu reinigen, ein Kornzänglein, kleine Messer, Lanzetten, Scheren, Nadeln, ein Maasstab, Bleystefft und dergleichen aufbehalten.
Weil der ganze obere Theil, oder Deckel q. sich herausziehen läst, wie Figur 2. vorstellet; so kan man alle Theile und Stücke dieses Mikroskops sogleich aus ihren Lagen nehmen, und die abgeschraubten Stücke eben so geschwind wieder hineinlegen, welches die Beobachtungen ungemein befördert und erleichtert.
Die Größe des Kästchens können sich die Liebhaber nach eigenen Belieben und Gutbefinden erwählen; Die Theilgen aber welche sich auf der Xl. Tafel befinden, sind in natürlicher Grosse vorgestellet. Ich glaube indessen, daß das gegenwärtige Mikroskop von keinem andern an Stärke der Erleuchtung, als welches ohnehin bey nützlichen und geschickten Beobachtungen sehr nöthig ist, übertroffen werde. Der Gebrauch wird dieses am sichersten bezeugen. Ich bin ec.


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