Stichworte: Historie, Ledermüller, Mikroskopie, aus Bewie's Mikrowelt

Ledermüllers Ergänzungen, XV. Brief

XV. Brief

Machen Sie sich einmal gefast, ein Quodlibet auf beiliegender XXXI. und XXXII. Tafel Von Mikroskopen aus den alten und neuen Zeiten
zu betrachten. Sie werden Kleinigkeiten darunter finden, so, wie sie bei uns die Murmelthierjungen und Savojarden mit ihren Wettergläsern, öfentlich mit herumzutragen und zu verkaufen pflegen. Ich habe aber für nöthig erachtet, Ihnen auch diese Spielwerkzeuge mit vorzulegen; weil ich gerne meine erste Absicht erfüllen, und Denenselben die grossen Verbesserungen der Vergrösserungsinstrumenten von ihrem ersten Ursprung an vor die Augen legen wolte.

Titel der Tafel: Von Mikroskopen aus den alten und den neuen Zeiten.
Die Zeichnungen einiger einfacher älterer Instrumente soll hier wohl den Lesern in Erinnerung rufen, wie fortschrittlich die Techniken sind, die Ledermüller in einigen vorausgegangenen Tafeln gezeigt hat.
Bild aus: Der Mikroskopischen Gemüths- und Augenergötzung Drittes Fünfzig


Der Grund aller Vergrösserungsmaschinen wird aus einem Tropfen Wasser, oder aus einem runden mit Hellen Wasser angefülten Glas, sehr wahrscheinlich hergeleitet, wie Ihnen, mein werthester, dieses ein mit Wasser angefülltes Uringlas oder eine weise gläserne Wasserkugel, deutlich zu erkennen geben wird.
Dieses lässet sich mit ein Kartenblat noch deutlicher beweisen; wann man mit einer gleich runden Nadel, ein Loch in dasselbe macht, und auf dieses Löchlein einen reinen Tropfen Wasser geschickt bringen kan; denn dieses Tröfgen Wasser, wird hernach den Dienst einer Lentille von Num. 2. oder 3. vertretten.
Hartsöcker und Otto Guericke haben von ohngefehr, indem sie Glas geschmelzt, an den kleinen Glastropfen, Vergrösserungsgläschen gefunden. Und hieraus ist ohne Zweiffel die Kugel 3. Tab. XXXI. entsprungen.
Diese Kugeln musten so lange ihre Dienste leisten, bis man bald hernach auf den Einfall gerathen, dieselben Linsenförmig zu schleifen, und in Gehäuse zu fassen, wodurch sie zu stärkern Vergrößerungen geschickt gemacht worden sind.
Die zweite Figur b. zeigt Ihnen eine Abbildung, die ich aus Sturms Collegio experimentali genommen habe, um Ihnen damit zu beweisen, daß dergleichen Linsengläser schon vor länger, als 90. Iahren bekannt gewesen sind.
Leuwenhoeck, der so vieles entdeckt und gesehen hat, machte sich dieses einfältige Instrument noch bequemer, und sezte das Vergrößerungsglas in eine kleine silberne Platte; hinten aber ein kleines Tischlein mit einem Steft, um die Objekte daran stecken, und vor das Glas bringen zu können. Die Figur c. dieser Tafel wird es deutlicher lehren, und in meinem Versuch zu einer gründlichen Vertheidigung der Saamenthierchen Seite 38. Tab. IV. werden Sie es ausführlicher beschrieben finden.
Dem Leuwenhoeckischen kommt die Figur d. dieser Tafel sehr nahe. Dieses sehr bequemen Instruments bedienet sich der in der heutig gelährten Welt sich schon so berühmt gemachte und gelehrte Arzt und Naturforscher, Herr D. Köhlreuter. Als derselbe vor zwei Iahren von Petersburg über Leipzig wieder nach Hause reiste, und, um die Hochfürstl. Naturalienkammern zu besehen, mir in Bayreuth einen angenehmen Besuch gönnte; zeigte er mir dieses sein Mikroskop. Und ich muß gestehen, daß ich das darinnen befindlich gewesene Hirschenkornförmige Vergrößerungsgläschen, so ein Num. 1. gewesen, ganz unvergleichlich befunden; an denen Schiebern aber gar vieles beobachtet habe, das nicht nach meinem Geschmacke war. Denn der Herr D. bedienet sich schmaler gläserner Liniälchens e. statt der Schieber, deren er zwei aufeinander und darzwischen das zu beobachtende Objekt legt, welches nach meiner geringen Einsicht entweder dadurch zerquetscht, oder verschoben wird, und gewiß allemal einen falschen Umriß, und gedoppelten Wiederschein verursachet.
Alle diese Instrumente, und die vielen übrigen, welche diesen gleich kommen, dienen, die Objekte gegen das Licht (contre le jour) zu betrachten.
Weil es aber viele Dinge in der Welt gibt, die man nicht auf diese Art untersuchen, und übersetzen kan; sondern die perpendikular, und von oben herunter beobachtet werden müssen: so hat der menschliche Witz auch hierzu Mittel, und anfänglich ebenfals die einfältigsten Werkzeuge erfunden, wie z. B. diejenigen Büchslein mit Saamen, und dergleichen, die auch die Savoiarden täglich bei uns verkaufen, und ein Objekt ohngefehr 6. oder 8mal vergrößern. Unter diesen Arten ist wohl die geschraubte die beste, um alte Münzen, und opake, oder undurchsichtige Körper damit zu übersehen, dergleichen Fig. f. vorgestellet ist.
Ich habe es besser in meiner Mikroskopischen Ergötzung Tab. LXX. Figur a. abgebildet, und es in der Beschreibung daselbst ein Oekonomieglas genennet, we Ew. ec. bei b. und c. noch ein paar andere Arten finden werden.

Titel der Tafel: Von Mikroskopen aus den alten und den neuen Zeiten.
Hier zwei Konstruktionen mit sogenannten „Muschenbroeckischen Nüssen“. Bei diesen Nüssen handelt es sich um steife Kugelgelenke, die hier mehrfach zu sehen sind. Sie waren bequem, doch sie waren nur begrenzt verwendbar: Ab einer 50fachen Vergrößerung konnte man mit ihnen das Objekt nicht mehr vernünftig in den Fokus bringen. Diese Nüsse werden im übrigen auch heute noch zur Herstellung flexibler Arme eingesetzt.
Bild aus: Der Mikroskopischen Gemüths- und Augenergötzung Drittes Fünfzig

Das Muschenbroeckische mit den metallenen Nüssen und Hülsen gab hernach Anlaß, daß anfänglich die Maschine Figur g. Tab. XXXII. sodann aber von Titl. Herrn Hofrath Delius, zu Erlang, meinen Hochgeschäzten Gönner, ein kleines Universale daraus zusammen gesezt, und an ein Bretchen befestiget worden ist, nach der Figur g. und h. dieser Tafel, welches mir endlich Gelegenheit zu dem lezt beschriebenen Anatomischen, oder erleichterten Lieberkühnischen Instrument gegeben hat, davon ich Ihnen hier Fig. i. noch eine flüchtige Zeichnung mit augefügt habe. Die ausführliche Beschreibung werden Sie in den beliebten Fränkischen Sammlungen und deren IVten Band, selbsten nachzusehen Sich gefallen lassen.

Ich verharre ec,


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