Stichworte: Historie, Ledermüller, Mikroskopie, aus Bewie's Mikrowelt

Ledermüllers Nachlese, VI. Brief

VI. Brief.

Ich bin heute zum Briefschreiben gar nicht aufgelegt. Damit ich Sie aber nicht allzulang auf Mikroskopische Neuigkeiten warten lasse; so schicke ich Ihnen hier einstweilen ein paar Beobachtungen, welche ich durch mein Kuffisches Glas Nummer 5 abgezeichnet habe.
Vielleicht kennen Sie diese Kreatur bey dem ersten Anblick garnicht, ohngeachtet ich gewiß versichert bin, daß Sie solche unzähligmal gesehen haben. Sie finden solche auf der
VII. Tafel.

Titel der Tafel: Die schwarzen Wasserflöhe
Es handelt sich offensichtlich um Springschwänze, die Ledermüller hier untersucht hat.
Bild aus: Der Mikroskopischen Gemüths- und Augenergötzung Drittes Fünfzig

Es sind die schwarzen Wasserflöhe, die man gemeiniglich im Frühjahr, zumal wann es geregnet hat, auf der Oberfläche stehender Wasser findet. Es sind öfters ganze Gräben damit bedeckt.
Sie hüpfen, oder springen eben so flüchtig, als ein wahrer Floh, nur geschiehet diese Bewegung vermittelst anderer Werkzeuge, welche ich Ihnen sogleich bekannt machen werde.
Bey a. und b. sehen Sie diese Kreaturen in ihrer natürlichen Grösse; Figur 1. aber stellet solche durch Nummer 5. vergrößert vor, da der Floh auf dem Bauch liegt, und den Rücken herwendet. Seine Farbe ist schwarzblau, und die ganze Haut, wie ein feiner Pelz, mit zarten Haaren besetzt, welche keine Nässe im Wasser annehmen. Denn auch im Wasser ist dieses Insekt beständig trocken.
c c. Sind seine Fühlhörner, deren jedes Glieder hat, und mit Haaren verwahrt sind. .
d. Ist das Zangengebiß, welches sehr kurz und kaum zu sehen ist.
e e. Stehen die beiden Augen, welche in Gold, grün, und blau spielen.
f. Finden sich die Sechsfüsse, deren jeder 4. Gelenke hat. Bei g. ist der Körper, der in zwölf Absätze oder Ringe abgetheilt ist, vermittelst deren sich dieses Insekt sehr ausdehnen und zusammen ziehen kan.
h. Sind endlich seine Werkzeuge zum Springen und Hüpfen. Füsse sind es nicht; wohl aber hole Röhrchen, durch welche ein weis-gelber öhlichter Saft hervor dringet, so oft der Floh springen will.
Ich vermuthe, daß diese Feuchtigkeit, welche auf dem Wasser einen kleinen Ballen i. formiret, den vesten Grund abgiebet, auf welche der Floh seine Springglieder ansetzen, und sodann, wohin er will, fortspringen kann; weil das Oehl dem Wasser Widerstand thut.
Figur 2. zeigt diesen Floh von der Seite des Bauchs, um die Laage dieser Springglieder deutlicher vor Augen zu legen. Von a. bis h. werden Sie auch hier alle obenbeschriebene Theile finden, nur daß die Springwerkzeuge hier hinausgezogen erscheinen. Es kan sich aber der Floh auch seitwärts, links und rechts, ober und unter sich, kurz und lang, aufsetzen wie die beiden kleinem Figuren k. und l. etwas deutlicher zu erkennen geben werden.
Ich habe dieses Insekt noch nirgend mit Farben abgebildet gefunden; vielleicht ist es Ihnen daher um so angenehmer.

Die Vorstellung der
VIII. Tafel. Enthält die Spitze einer gesottenen Rindszunge,
wie ich sie von der untern Seite durch mein Nummer 5. beobachtet habe.

Titel der Tafel: Enthält die Spitze einer gesottenen Rindszunge.
Bild aus: Der Mikroskopischen Gemüths- und Augenergötzung Drittes Fünfzig


a. Ist der allerunterste Theil der Zungenspitze, vergrößert, nachdem ich erstlich die Schleimhaut b, und dann das unter derselben liegende sehr feine Häutchen c. das mit den zartesten Blutgefäßen durchflochten ist, davon abgezogen hatte. Hier zeigte sich meinen Augen erstlich ein durch die ganze Zunge senkrecht herablauffendes breites Band, von sehr vielen feinen Nerven d. zusammen gesetzt; zu beeden Seiten desselben aber, das allerkünstlichste Gestricke, und nezförmige Gewebe, von unzählichen Fasern, Fiebern, Nerven und andern Gefässen, welche ich mir nicht zu benennen getraue. Es lassen sich diese Vorstellungen besser sehen, als beschreiben, und ich überlasse gar gerne diese schwere Arbeit denjenigen Herren Gelahrten, welche in der Zergliederungskunst, bessere und mehrere Erfahrung besitzen, als ich. Ich verweise Sie aber auf eine Abhandlung, welche Ihnen gewiß viel Vergnügen schaffen wird. Sie ist von unserm vortreflichen Zergliederer Tit. Herrn Hofrach Trew in Nürnberg der gelährten Welt mitgetheilet worden, und handelt: Von den Speichel- und Blutgefässen der Zunge, mit 4. fein gestochenen Kupfertafeln.
Leben Sie indessen recht wohl und vergnügt.


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