Stichworte: Historie, Ledermüller, Mikroskopie, aus Bewie's Mikrowelt

Menschenhaare
Bild Bild aus: Ledermüller, Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzungen, Tafel 5

Natürlich hat Ledermüller auch Haare unters Mikroskop gelegt. Er teilt ein Haar ein „in den Körper oder das Mittelstück, in dier Wurzel und in die Spitze desselben“. Das dicke Haar in der Mitte der Tafel ist eine Augenbraue, die Ledermüller am Sonnenmikroskop abgezeichnet hat. Rechts ist ein anderes „frisch ausgerauftes Haar“ zu sehen. An dem dahinter liegenden Haarstück beschreibt Ledermüller kleine Auswüchse, „Äste“, über die seinerzeit viel diskutiert wurde. Die maßgeblichen Gelehrten glaubten allerdings schon damals nicht an Verästelungen am Haar, sondern hielten diese Gebilde für Artefakte, krankhafte Veränderungen oder – wenn sie länglich waren – für Abspaltungen.
Auf dieser Tafel hat Ledermüller auch abgekupfert: Der histologische Schnitt oben (mit K bezeichnet) ist aus einer Dissertation des „Herrn Prof. Ludewig zu Leipzig“ nachgezeichnet. Offenbar konnte Ledermüller Gewebestücke nicht beliebig verarbeiten, an den medizinischen Fakultäten waren die Möglichkeiten aber schon größer, wenn auch nicht mit der heutigen Histologie vergleichbar. Erste Beschreibungen histologischer Strukturen gab es von Marcelli Malpighi, nach dem heute noch einige mikroanatomische Strukturen benannt sind (beispielsweis die malpighischen Körperchen der Milz). Von den später üblichen histologischen Techniken der Fixierung und Paraffineinbettung wusste man damals allerdings noch nichts. Bekannt war lediglich, dass man Organe durch Einlegen in Alkohol haltbar machen konnte. Die eigentlichen histologischen Techniken wurden erst im 19. Jahrhundert entwickelt und ausgebaut, also gut 50 bis 60 Jahr nach Ledermüller.


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