Staubfedern von den Flügeln des Schillervogels (Fig. I) und eine schwimmende Pfifferinsel
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Bild aus: Ledermüller, Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzungen, Tafel 49

Fig. I beschäftigt sich mit dem Thema „Staubfedern von den Flügeln des Schillervogels“. Es handelt sich offensichtlich um eine kleinen Schillerfalter, der hier abgebildet ist. Ledermüllers Text dazu:
Man findet an diesem Schmetterling der gemeiniglich der Changeant oder Schillervogel genennet wird, die besondere Eigenschaft, daß ausser denen weissen Querbanden und Feuerrothen Ringen, eingefaßten schwarzen Spiegeln und roth und weissen Rändern, seine Flügel die blaue und braune Farbe führen, nachdeme man dieselben ansiehet.
Denn wenn ich zum Exempel mit dem Rucken mich gegen das Fenster stelle, den Sommervogel aber also schreg in der Hand halte daß dessen Kopf gegen meine Brust oder das Fenster gerichtet ist, so sehe ich gewis denselben über und über blau. Wende ich mich aber mit ihme herum, so, daß mein Gesicht und des Vogels Rücken gegen das Fenster sichet, so finde ich ihn ganz braun.
Besehe ich ihn dann ferners von oben herab grade und nicht schreg, so kommt seine Farb in das Violette, weil alsdann blau und braun mit einander zugleich in die Augen fället. Dahingegen, und wenn ich diesen Schmetterling endlich von der Seite betrachte, werde ich den einen Flügel blau, den andern aber braun erblicken.
Ich erinnere mich noch mit vielen Vergnügen derjenigen angenehmen Stunden, welche ich in Gesellschaft des nun seel. Herrn Rösels mit Untersuchung and Bewunderung dieses schönen Insekts zugebracht, und wobey wir beederseits die Staubfedern der Flügel, mit denen besten Vergrösserungsgläsern beobachtet, allemal aber den Grund ihres Schillerns, in der prismatischen Laage und Form dieses Flügelstaubs , gefunden haben. Denn die beeden Flügel sowohl als die Federn selbsten, bestehen aus lauter prismatischen Querstrichen. Wie die Figur d. es deutlicher zu erkennen geben wird.
Erklärung dieser I. Figur.
a. Ist der Changeant oder Schillervogel, nach ?einer wahren Grösse.
b. Stellet eine einige Feder von dem blau sehenden und
c. eine dergleichen Feder von dem braun spielenden Flügel, mit denen prismatischen Querstrichen, stark durch Nummer 1. vergrössert, vor
d. Zeiget die in prismatischer Ordnung gesezte Laage derer Federn auf beeden
Flügeln, als die Ursachihres schillerenden Scheins oder Weesens.
Ledermüller und seine naturwissenschaftlich interessierten Zeitgenossen glaubten also, die Schuppen des Schmetterlings hätten winzige Prismen mit unterschiedlich gefärbten Seiten, die einen Lenticulareffekt erzeugen, wie wir ihn beispielsweise von Wechselbildern kennen. Heute wissen wir, dass der Effekt durch Interferenzen aus der Schuppenstruktur heraus erzeugt wird.
Zu Fig. II: Ledermüller hatte auf seinem Schreibtisch ein Glas mit Zuckerwasser stehen lassen und „als ich es in die Hand nahm, sahe ich in der Mitte des Glasses eine Mücke im Wasser oben schwimmen, welche um und um mit einem grünen Schimmel umgeben war.“ Das kam natürlich sofort unters Mikroskop und Ledermüller konstatiert später: „Nie wird eine Kreatur ein schöneres Grab erhalten haben als diese Mücke in meinem Glasse gefunden.“


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